My Name is Moby and I used to be a Raver

Seine Vergangenheit als Soundtüftler der elektronischen Art, der mit seinen Rave- und Tranceklängen nahezu auf jedem Technosampler der 90er Jahre vertreten war, wollte Moby am Samstag in der Kölner Live Music Hall nicht verleugnen. „My Name is Moby and I used to be a Raver“ leitete der DJ, Musiker, Komponist und Produzent den letzten Song des Abends ein. Und erinnerte sich an die Zeit, als er 1990 von DJ Dick und Westbam nach Berlin eingeladen wurde, um aufzulegen. Da konnte „Feeling So Real“ schon beinahe als Zeitreise back to the Roots angesehen werden, die die frühere Fabrikhalle für ein paar Minuten in einen Ravetempel verwandelte.

Hier die Fotos vom Konzert

moby091107-888_hl_250x165In den gut zwei Stunden davor nahmen Moby und seine Mitmusiker die im Publikum Anwesenden mit auf einen musikalischen Ausflug quer durch die Musikstile und die Jahre Mobys’schen Schaffens. Und es wurde ein wirklich abwechslungsreicher Ausflug. Liebhaber sanfter Klänge wurden mit elegischem Ambientsound betört, Blues- und Soulfans bekamen vor allem dank der energischen Stimme von Joy Malcolm ihre Portion und die Tanzwütigen wurden mit Dancebeats, treibender Drumarbeit und rhythmischen Synthieloops reichlich zufriedengestellt.

Dabei machte keineswegs nur die große Spannbreite der Songs des New Yorkers die Atmosphäre des Konzerts aus. Moby pendelte nicht nur zwischen den Dancefloorbeats der frühen Jahre und den vielfach sphärischen Klängen neuerer Alben, nein, er verpasste altbekannten Liedern durch Tempiwechsel und erweiterte Instrumentierung vielfach neue Interpretationen. So zum Beispiel verschafften preschende Drums, Mobys Congawirbel und fette Synthiebeats „We’re All Made Of Stars“ einen kräftigen Schub, allein das disconahe Intro mit den rhythmisch zerhackten Gitarrenriffs wollte nicht überzeugen. Aus dem ambientlastigen „We’re All Made Of Stars“, machte die kräftige Röhre Joys im verlangsamten Mittelteil eine echte Bluesnummer.

moby091107-742_hl_250x165„Honey“ bohrte Moby mächtig auf – aus dem knapp dreieinhalb Minuten langen Titel wurde nach und nach eine gut 16-minütige Mammutversion. Moby lieferte sich mit Joy ein Duell zwischen Gitarre und Stimme, ließ abgedrehten Rock der 70er Jahre aufkeimen, und räumte dem Sechssaiter reichlich Raum für Soli ein. Passend dazu die kurzen Intonationen von Deep Purples „Smoke On The Water“ und Lenny Kravitzs “Are You Gonna Go My Way” sowie die psychedelischen Lichteffekte. Gewarnt hatte Moby vorher – es könne etwas länger werden und Acid-Konsumenten sollten sich vorsehen. Doch die Viertelstunde war zwar lang, aber nicht langatmig, und illegale Substanzen zeigten  offenbar keine Wirkung, sofern überhaupt jemand solche mit sich führte: wie beinharte Raver sahen die etwa 1.500 nicht aus.

Wenn auch nicht jeder Song während des Sets saß, so kann man Moby keinesfalls vorwerfen, auch auf der Bühne seine Stücke möglichst studiogetreu klingen zu lassen – mit dem Mut zum Risiko der Andersartigkeit seiner Songs hebt sich der Nachfahre des „Moby Dick“-Autors Hermann Melville wohltuend von vielen seiner Kollegen ab. Sowohl diese Tatsache als auch die Begeisterung, Moby live zu sehen, ließ den Auftritt zu Recht in riesigem Applaus enden. (Fotos: Helmut Löwe)

Setlist:

– Seated Night (Intro)
– Shot in the Back of the Head
– Mistake
– Flower
– Bodyrock
– Go
– Pale Horses
– The great Escape
– We’re all made of Stars
– In my Heart
– JLTF
– Why does my Heart feel so bad?
– Extreme Ways
– Porcelain
– One Time we lived
– When it’s cold
– Wait for me
– Natural Blues
– Raining again
– Disco Lies
– The Stars
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– In this World
– Lift me up
– Honey
– Feeling so real