Placebo mit videobegleiteter weißer Melancholie

placebo_joseph_ilanes_165x250Ein Showmann, gar Entertainer, ist er nicht – Brian Molko, Sänger und Gitarrist von Placebo. Das wurde einmal mehr in der Kölner Lanxess-Arena deutlich, in der die Alternative-Rocker am Freitagabend, den 4. Dezember, vor gut 13.000 Fans auftraten. Molko, ganz in Schwarz, ist durch und durch Musiker, der auf der Bühne nicht quatschen will, sondern spielen: Lediglich zweimal lässt er sich zu Ansagen hinreißen, mehr ist nicht drin. Die Songs gehen vor.

Für das aufwändige und große Drumherum, die sehr gute Lightshow, die Videoeinspieler auf den zwei Leinwänden rechts und links der Bühne, im Bühnenhintergrund und auf zwei LCD-Schirmen über der Bühne, sind andere zuständig. Und für die Aktion auf der Bühne selbst sorgt der Mann im silbernen Glitzeranzug an Molkos Seite, der große Hüne und Multiinstrumentalist Stefan Olsdal. Der Schwede schnappt sich abwechselnd Bass und Gitarre, macht bei „Because I Want You“ und „Twenty Years“ auch vor dem Keyboard nicht halt.

Mit Melancholie, aber ohne großes Aufhebens

Während Olsdal sicheres und gekonntes Spiels an den verschiedenen Instrumenten offenbart, wirken seine Bewegungen allerdings zu oft selbstgefällig, arg gekünstelt. Zu elegant, zu geschmeidig dreht er sich aus der Hüfte heraus, schwenkt den Vier- und Sechssaiter geschickt choreographiert wie eine Trophäe vor sich her. Dagegen wirkt Molko sehr authentisch, nahezu bodenständig, wenn er mit Melancholie, aber ohne großes Aufhebens Titel vom aktuellen Album „Battle For The Sun“ und große Hits wie „Every You Every Me“ oder „The Bitter End“ intoniert, die die Fans in helle Aufregung und enorme Begeisterung versetzen.

placebo_battle-for_180Die Songs, die erfreulicherweise in nicht übermäßig hoher Lautstärke, stattdessen sehr gut abgemischt daherkommen, werden von Videoeinspielern begleitet: Die Armut auf der Welt in schwarzweiß, expressionistische Bilder in Fehlfarben – man kommt sich fast vor, wie auf einer Videobiennale. Nicht immer will sich einem die Bedeutung der Bewegtbilder erschließen. Aber die Augen haben was zu tun.

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Bei der Lightshow ist Weiß die alles beherrschende Farbe der Spots, die die Halle erleuchten, Muster auf die Fanköpfe projizieren und Lichtgitter auf die Bühne werfen. Derselbe neutrale Farbton dominiert auch die Bühne, deren ordentliche Unordnung der Drums, Keyboards und Verstärker eine Art Probenraumstimmung generiert und klinisch rein wirkt. Wenn die Videos nicht wären, würde wenig von der eindreiviertelstündigen Musik der Gewinner der MTV Europe Music Awards 2009 als „Best Alternative Act“ ablenken. Alles in allem ein ordentliches Konzert, das jedoch auf das große „wow!“ verzichten muss. (Foto: Joseph Ilanes)

Setlist:

– For What It’s Worth
– Ashtray Heart
– Battle For The Sun
– Soulmates
– Speak In Tongues
– Follow The Cops Back Home
– Every Me Every You
– Special Needs
– Breathe Underwater
– Because I Want You
– Twenty Years
– Julien
– The Never-Ending Why
– Blind
– Devil In The Details
– Meds
– Song To Say Goodbye
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– Bright Lights
– Special K
– The Bitter End
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– Infra-Red
– Taste In Men