Wolfmother spielen sich die Seele aus dem Leib

wolfmother100130_0413_hl_165x250Wer an Australien denkt, hat zuerst meist Kängurus, Ayers Rock oder die Oper Sydneys im Kopf. Bei Musikfans ist dies eher AC/DC oder INXS. Eine Band, die bislang vielleicht noch nicht auf dem Schirm war, sollte allerdings schleunigst in die Mindmap von Australien  aufgenommen werden: Es handelt sich um Wolfmother, die seit einiger Zeit als Musikexport Nummer zwei aus Down Under nach der Truppe um Angus Young bezeichnet werden. Warum Wolfmother zu Recht diese Rolle zugesprochen wird, davon konnte sich das Publikum am Samstagabend, den 30. Januar,  im Kölner Palladium mit eigenen Augen und Ohren überzeugen: Denn der Auftritt, den das Quartett um Sänger, Gitarrist und Kopf der Band, Andrew Stockdale, hinlegte, darf getrost als mitreißend und absolut überzeugend bezeichnet werden.

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Wenn Stockdale, Bassist und Keyboarder Ian Peres, Gitarrist Aidan Nemeth und Schlagzeuger Dave Atkins die Bühne entern, traut man ihnen zunächst gar nicht zu, eine solch ungestüm dahinbrausende Rock-Lokomotive auf die Schienen zu bringen. In Jeans und schlabberige T-Shirts gekleidet, Stockdale und Peres mit ihren Afrobobs fast Hippies gleich, schnappen sie sich ohne großes Bohei zu veranstalten eher beiläufig ihre Instrumente. Wehe aber, wenn sie losgelassen; dann bricht ein Rocksturm los, beinahe schon in Orkanstärke, der einen wegzublasen droht: Wolfmother spielen sich die „Seele aus dem Leib, oder wenn man sich vulgärer Umgangssprache bedienen möchte, förmlich „den Arsch ab“.

Unglaubliche Energie, die aufs Publikum überschwappt

wolfmother100130_0446_hl_250x165Es steckt eine unglaubliche Energie in Songs wie „Cosmic Egg“ oder „New Moon Rising“, die von Anfang an auf das ausverkaufte Palladium überschwappt und mit der Wolfmother in kürzester Zeit das Publikum auf ihre Seite ziehen: Vor der Bühne geht es drunter und drüber. Vergleiche der Musik Wolfmothers mit Genregrößen wie Led Zeppelin, Black Sabbath oder Deep Purple kommen nicht von irgendwoher, entdeckt man in Titeln wie „Phoenix“, „In The Castle“ oder „Pilgrim“ doch immer wieder Versatzstücke der großen Vorbilder. Aber Wolfmother schaffen es auf ihren Alben, zwei an der Zahl, und auch an diesem Abend, sich weit weg von den großen Bands zu bewegen, ihr eigenes Ding zu machen. Großen Anteil daran hat die Falsettstimme Stockdales, die sich zwar mit der Robert Plants vergleichen lassen muss, doch dem Anspruch gerecht wird, Wolfmother einen speziellen Stempel aufzudrücken. Allerdings trifft Stockdale während des Konzerts nicht immer 100prozentig die Töne, worüber man aber gerne hinwegsieht, da die Spielfreude und Qualität der Band dies locker wieder wett macht.

wolfmother100130_0430_hl_250x165Ganz ohne großes Showbrimborium werden die Instrumente machtvoll und gekonnt bearbeitet. Stockdale entlockt seiner Gitarre, von denen am Bühnenrand gleich mehrere postiert sind, ausufernde Soli, er verbeißt sich Jimi-Hendrix-like so richtig in den Sechssaiter. Nicht weniger eindrucksvoll auf der gegenüberliegenden Bühnenseite Nemeth, der mit seinem Spiel keine Ruhepause aufkommen lässt. Zwischen beiden hastet Peres wie entfesselt hin und her, quält seinen Bass und drischt auf den Synthesizer ein, auf dem auch schon mal umhergeklettert wird, während hinter Atkins’ Schlagzeug die Schweißfontänen umherstieben. Nein, große Entertainer sind die vier nicht, sondern schlichte, gute Musiker, die sich so richtig ins Zeug legen, um sich ihren tosenden Applaus mit Herzblut zu erarbeiten. Und das gelingt ihnen vollends. Lange Rede, kurzer Sinn: ein geiles Konzert. (Fotos: Helmut Löwe)