Pennywise scheißen auf die da oben

pennywise110126_0147_250x165Mit seiner Baseballkappe, seinem Bart, Bierbauch und in T-Shirt, zu weiten Jeans und Turnschuhen sieht er schon etwas aus, wie ein behäbiger Trucker, der über die US-Highways kurvt und Countrymusik hört. Doch wehe, wenn sich Fletcher Dragge sein Instrument schnappt und in die Saiten haut: Dann sorgt der Gitarrist dafür, dass der Sound der US-Hardcoretruppe Pennywise mit ordentlich Schmackes aus den Boxen knallt. Und so auch am 26. Januar, als das Quartett aus Hermosa Beach, Kalifornien, auf seiner Tour einen Boxenstopp in der Kölner Live Music Hall einlegte.

Fotos vom Pennywise-Konzert

Von Beginn an feierten die gut 1.000 Fans Dragge, seine Mitmusiker Randy Bradbury am Bass, Byron McMackin am Schlagzeug und Sänger Zoli Teglas.  Teglas, erst seit 2009 bei Pennywise, nachdem der langjährige Frontmann Jim Lindberg seinen Job hinwarf, erwies sich als lautstarker Shouter und vor allem stimmfest; anders als viele seiner Kollegen, deren Organ sich in höheren Stimmlagen ein ums andere mal verabschiedet.

Scheiß‘ auf die da oben

pennywise110126_0133_165x250Dass die Texte Pennywises sich nicht lediglich um die bei anderen Punkbands gerne artikulierten Hobbys wie Saufen, Rumhängen oder den lieben Gott einen guten Mann sein lassen drehen, machte Teglas nur allzuoft deutlich: Ein wenig zuviel des Guten seine lauthals propagierten Verurteilungen der multinationalen Konzerne, geldgierigen Finanzbosse, Umweltzerstörer oder machtbesessenen Wirtschaftskapitäne. Kaum weniger stand ihm dabei Dragge nach, der sich reichlich in Plattitüden wie „Lebe dein Leben aus deinem Herzen, deiner Seele heraus, scheißegal, was die anderen denken“ erging. Der ausufernden Stimmung im Moshpit, dem wilden Pogen, durcheinander Stürzen und aus vollem Halse Mitgröhlen taten die verbalen Manifeste von der Bühne herab aber keineswegs einen Abbruch.

Aufstachelungen hätten die krachigen und ungestümen Songs aus über 20 Jahren Bandgeschichte auch in keiner Weise bedurft. Denn das schnelle Gebrettere und Songs wie „Homesick“, „Peaceful Day“, „Rules“ oder „Fuck Authority“ riss die Fans auch so mit: Bis in die hinteren Reihen hinein ließen sich die Besucher vom schweißtreibenden Tanzen und Mitspringen anstecken. An der kalifornischen Küste mit seinen Sandstränden und Bikinimädchen hätte es kaum wärmer sein können.  Dem ein oder anderen wird die Bierdusche von der Bühne herab wohl dementsprechend gelegen gekommen sein.

Nach der „Bro Hymn“, mit der am Ende eines jeden Pennywise-Konzertes lautstark dem im Jahre 1996 verstorbenen Bassisten Jason Thirsk gedacht wird, zogen die Besucher mehrheitlich verschwitzt, kaputt, aber zufrieden von dannen. Und trotz des Tohuwabohus in der Halle blieben bei niemandem mehr als ein paar blaue Flecken zurück – Hardcorefans sind zwar gerne mal raue Kerls, aber handgreiflich nicht. (Fotos: Helmut Löwe)