Metal, Muschis, Machoposen – Steel Panther live

Wer viel über Sex redet, hat meist wenig, so sagt man. Wenn es danach ginge, dann dürften die Jungs von Steel Panther vollkommene Asketen sein. Denn das US-Metal-Quartett redet und singt von fast überhaupt nichts anderem. Während viele andere Rock- und Metalbands über die zwei großen, und anscheinend wichtigen Themen Bier und Sex singen, machen es Steel Panther etwas anders, die beschränken sich auf einen Fokus: Sex.

Fotos vom Konzert

Die Amerikaner rocken so ganz im Stile ihrer bekannten, berühmten und berüchtigten Szenevorbilder der 80er Jahre wie Ratt, Poison, Mötley Crüe oder Cinderella – bei denen es um Gitarren und Girls ging. Kein Wunder also, dass auch Steel Panther sofort in die Schublade Glam-, Hair-, und Poser-Metal gesteckt werden. Doch irgendwie ist dies richtig, und daraus macht das Quartett von überm Teich gar keinen Hehl; davon überzeugten sich gut 1.500 Fans am 22. März in der Kölner Live Music Hall.

Hardrockende Frauenhelden

Gleich mit dem Eröffnungssong „Supersonic Sex Machine“ vom aktuellen Album „Balls out“ machten Sänger Michael Starr, Gitarrist Satchel, Bassist Lexxi Foxx und Schlagzeuger Stix Zadinia klar, dass es bei ihnen fast ausschließlich darum geht, über Sex zu reden und zu singen, möglichst viele Mädchen flachzulegen und sich gegenseitig in sexuellen Aktivitäten zu übertrumpfen. Und wenn das Thema mit den drei Buchstaben auch noch mit eingängigem Metal und klassichem „Glam-Metal“-Bühnenoutfit wie Spandexhosen, Netzshirts, hochtoupierten Haaren und reichlich Schminke versehen ist, dann und erst dann ist das Bild des hardrockenden Frauenhelden perfekt.

Genau diese Rolle des unwiderstehlichen, kräftig rockenden Mädchenschwarmes mimten Starr und seine Mitstreiter so grandios perfekt , dass man sich beinahe so fühlte, als wäre man auf ein Mötley-Crüe-Konzert Mitte der 80er Jahre katapultiert worden, als stünde David Lee Roth in Persona vor einem – allerdings  in viel, viel überzogener, unglaublich überzeichneter Art und Weise: Das Quartett aus Los Angeles führte die musikalische Kitschnummer –  früher gelobhudelt, heute belächelt – so ad absurdum, dass es eine wahre Freude war, den 90 Minuten des Auftrittes beizuwohnen. Und dabei war das Herumhantieren Foxx’s mit einem Pink glitzernden Spiegel und seiner Haarbürste  nur die Spitze des Eisbergs.

In den Pausen zwischen den Songs des musikalischen Kreuzzuges  durch die beiden Alben „Feel the Steel“ und dem aktuellen „Balls out“ warfen sich die Musiker die zweideutigen Bälle ständig gegenseitig zu: Mehr Bräute als Bret Michaels gehabt zu haben, der in seiner Realityshow „Rock of Love“ den von sexy Frauen umschwärmten Superlover mimte, war ebenso Thema, wie die angeblich scharfen weiblichen Fans in der Konzerthalle. In keiner anderen deutschen Stadt als Köln habe man so ein wahnsinnig tolles Publikum gehabt, habe man so unglaublich heiße Girls gesehen, überschüttete Starr die Zuschauer mit Lob.

Siebenminütiges Best-Of der Metalgeschichte

Neben nahezu ununterbrochener verbaler Anzüglichkeiten, die allzu detailliert wiederzugeben sofort Sittenwächter auf den Plan riefe, gab es außer den Steel-Panther-Titeln während des etwa siebenminütigen Solos Satchels einen Kurztrip durch die Metalhistorie. Der mit brünett-hochtoupierten Haaren und Netzshirt versehene Gitarrist präsentierte Riffs und kurze Melodieläufe aus den ganz großen Nummern des Rock: Deep Purples „Smoke on the Water“, Metallicas „Creeping Death“, Iron Maidens „The Trooper“ oder „Rock you like a Hurricane“ der Scorpions verwurstete Satchel ebenso wie das klassische Interludium „Hummelflug“ von Nikolai Rimski-Korsakow.

Fotos vom Konzert

Wer die Ohren genau spitzte, erkannte viele weitere Versatzstücke bekannter Rocksongs. Doch die überwiegende Zahl der Fans wird wohl weniger den Nummern der Steel-Panther’schen Konkurrenz auf der Spur gewesen sein, denn sich vielmehr auf die wüste Melange aus überzogenem Männlichkeitsgehabe gepaart mit gekonnt dargebotenen Metalsounds eingelassen haben. Und den auf der Bühne umhertanzende Mädchen, von denen zwei sogar obenrum blankzogen.  Da soll der Spaß wohl nicht zu kurz gekommen sein. Weder im Publikum, noch auf der Bühne. (Fotos: Helmut Löwe)