„MMXII“ ist Killing Jokes musikalischer Rundumschlag

Wenn es ein wichtiges Jahr für Killing Joke gibt, zumindest für den Kopf, Sänger, exzentrischen Frontmann und Songschreiber Jaz Coleman, dann ist es das Jahr 2012. Das Jahr, für welches der Maya-Kalender die Apokalypse, den Weltuntergang vorhersagt. Und für welches der esoterisch aufgestellte und versierte Coleman besondere Empfindungen hegt. Wie kann es da anders sein, dass die neue Scheibe Killing Jokes,  die ab dem 2. April in den Läden steht, genauso heißt, wie deren Erscheinungjahr:“ 2012″. Richtigerweise, nämlich in lateinischer Schreibweise, „MMXII“.

Und nicht nur das Erscheinungsjahr des mittlerweile 14. Albums der britischen Post-Punk-Heroen (wenn man das 1988er Projektalbum Colemans/“Geordie“ Walkers „Outside the Gates“ mitzählt) ist etwas Besonderes; die Scheibe als solche auch: Denn mit „MMXII“ haben Killing Joke einen Rundumschlag quer durch die eigene Historie gewagt. Die Songs spiegeln die verschiedenen Typen der Killing-Joke’schen Musik wider: post-punkig, wavelastig, industrialwegweisend, wüst-zerstörerisch… Kurz und gut: irgendwie ist  „MMXII“ eine Art „Greatest Hits“ der Briten, allerdings ohne die größten Hits, sondern mit zehn neuen Werken.

Von langsam-rhythmisch bis brutal-laut

Ganz langsam fangen die gut 50 Minuten des Albums mit dem Intro zu „Pole Shift“ an – und die Synthieklänge haben in der Tat etwas „eisiges“ an sich, so als wenn ein dichtes Schneetreiben die kalten nördlichen und südlichen Eishauben des Globus umhüllt. Die folgenden acht Minuten beinhalten alleine schon die verschiedenen Charaktere der Musik Killing Jokes: von langsam und rhythmisch stampfend mit klarem Gesang bis hin zu brutal-lautem Getöse mit einem böse schreienden Coleman. Und so in etwa setzt sich der Rest der Platte fort – die musikalisch verschiedenen Aspekte allerdings auf die einzelnen Songs verteilt.

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Die erste Singleauskopplung „In Cythera“ repräsentiert dabei deutlich die wavige Seite der Band , die musikalisch eingängigere, die in jeder Wave-Disko für eine volle Tanzfläche sorgen könnte. Und lässt Erinnerungen an das Jahr 1985 aufkommen, als mit „Night Time“ ein Höhepunkt des Killing-Joke’schen Schaffens erschien. Auf der anderen Seite „Glitch“, das mit einem sehr, sehr zornig wirkenden Coleman das Kapitel „Industrial“ aufschlägt, welches Coleman und seine damaligen Mitsteiter mit „Extremities, Dirt and Various Repressed Emotions“ 1990 begannen.

„Die womöglich gelungenste Schallplatte Killing Jokes“

Im Interview mit Electrictunes riet Coleman im Oktober 2010 all jenen, die die Musik Killing Jokes kennenlernen wollten, zu den drei Scheiben „Pandemonium“, „Killing Joke“ (aus dem Jahr 2003; d. Red.) und „Absolute Dissent“. Na gut, damals konnte er ja nicht wissen, wie gut „MMXII“ werden würde. Denn jetzt muss man eindeutig festhalten: „wenn  du die Musik Killing Jokes kennenlernen willst, hör dir das brandneue Album an!“ Und das sieht die Band offenbar auch so. Bezeichnet sie die Scheibe auf ihrer Website doch als „die womöglich gelungenste Schallplatte Killing Jokes bislang“.

„MMXII“ hat eine Laufzeit von 50:46 Minuten, ist erschienen auf dem Label Spinefarm Records und wird über Universal vertrieben.
Anspieltipps: Colony Collapse, In Cythera, Trance