Interview mit Donots-Sänger Ingo Knollmann: „Ich stand auf Sandra und Sabrina“

Außer den vergangenen Rock am Ring und Rock im Park stehen für die Donots noch weitere Festivals im Sommer an, bevor sie im Herbst ihre Hallentour starten. Ende Mai waren die Ibbenbürener zu Gast bei Ray’s Guesthouse, wo sie mit einem kurzen Akustikset am 22. Mai im Kölner E-Werk auftraten und mit MTV-Legende Ray Cokes herumblödelten.

Fotos von den Donots und Jupiter Jones in Ray’s Guesthouse

Wir trafen Sänger Ingo Knollmann nach der Show zum Interview und plauderten mit ihm über das neue Album, Pläne für die kommenden Monate und gute Musik. Unter anderem verriet Knollmann, dass er früher auf Sandra und Sabrina stand, welche Musik ihn nachhaltig beeindruckt und warum er Ray Cokes so richtig klasse findet.

Ingo, wie hat Euch Ray’s Guesthouse gefallen?

Ich fand es großartig. Wir sind alle große Fans von Ray Cokes und mit Sendungen wie „Most Wanted“ groß geworden. Als damals diese Nummer auf St. Pauli war, als die Ära Ray Cokes ein jähes Ende gefunden hatte (eine Liveshow am 9. Mai 1996 auf dem Hamburger Spielbudenplatz endete im Chaos, kurz darauf war Cokes MTV-Karriere vorbei; d. Red.), waren wir wirklich traurig.  Denn der Typ ist einfach unfassbar unterhaltsam. Als wir gefragt wurden, ob wir bei Ray zu Gast sein wollen, haben wir sofort „Ja“ gesagt – und uns geehrt gefühlt.

Ihr hattet im Mai zwei Hallenkonzerte, im Sommer stehen viele Festivals an und im Herbst ist Eure lange Tour. Was macht ihr in der Zeit dazwischen?

Urlaub ist keiner angesagt, wir proben unheimlich viel für die neuen Songs und die ganzen Shows, die da kommen. Dazwischen reiht sich ein Interview an das nächste – wenig Zeit also für Zuhause und die Familie. Tja, und für unsere kommende Single („You’re so Yesterday“) wollen wir auch noch ein Video produzieren. Im Moment dreht sich aber fast alles um unsere Festivalauftritte. Deswegen ist unsere Hallentour auch erst im Oktober.

Gibt’s auch mal Zeit für ein, zwei Wochen Urlaub? Ganz ohne Musik?

Wir hatten erst vor kurzem eine Woche Pause, nachdem wir einen Monat lang gar nicht zuhause waren. Und dies war wirklich sehr nötig, denn irgendwie bist du nach vier Wochen Dauersteress etwas ausgebrannt. Im September wollen wir noch mal zwei Wochen richtigen Urlaub machen. Aber jetzt, nach unserem besten Charteinstieg in der bisherigen Bandkarriere, legst du dich nicht auf die faule Haut!

Warum heißt das Album „Wake The Dogs“?

Aus zweierlei Hinsicht: Zum einen war der Titelsong der Platte derjenige, der als erstes fertig war. Und den wir so als eine Art Blaupause für die weiteren Titel nehmen konnten. Und zum anderen heißt es ja immer, man soll keine schlafenden Hunden wecken, was wir aber dennoch machen – für uns im übertragenen Sinne: Denn seit 2008, mit unserem eigenen Label Solitary Man Records, experimentieren wir viel herum, wollen nicht immer die gleiche Platte aufnehmen – na ja, irgendwie haben wir „Blut geleckt“.

Rezension: “Wake the Dogs” der Donots bellt, beißt aber nicht

Ihr „verwurstet“ auf dem neuen Album viele verschiedene Stilrichtungen. War das Absicht, oder kam das eher durch Zufall?

Das ist der Herangehensweise an die Platte geschuldet: Wir wollten zunächst einmal alles zulassen, was uns morgens im Studio in den Sinn kam, alles, was uns gefallen hat. Wir hatten etwa 65 Demos und haben immer das gemacht, was uns gerade vor die Flinte kam. Und wenn dann alle ein Grinsen im Gesicht haben, kann’s ja gar nicht so falsch sein (lacht). Wichtig ist, was der jeweilige Song, nicht das Album als Überbau braucht. Deshalb findest Du Sachen, die nach The Clash klingen oder ein bisschen nach New Order.

Stimmt, „All You ever wanted“ hört sich wirklich danach an.

New Order sind meine Lieblingsband. Mein Tattoo „True Faith“ (großer Schriftzug auf Ingos linkem Unterarm; d. Red.) kommt halt nicht von irgendwoher. „True Faith“, eine der größten New-Order-Singles, war das erste Lied, welches ich von New Order hörte. Als Kind hörte ich davor alles, was andere auch gehört haben: sowas wie Sandra und Sabrina, Dance-Kram halt. Und dann kamen New Order und The Cure. Damals konnte ich gar nicht fassen, wie gut das musikalisch war, das war wirklich eine richtige Kehrtwende für mich.

Beim Gitarrenriff vom Song „Wake the Dogs“ kommt man schnell auf Iggy Pop („The Passenger“; d. Red.). Oder wenn man „Manifesto“ hört, erinnert einen der Gitarrenlauf an alte U2-Songs. Ärgert ihr euch, wenn man euch nach 18 Bandjahren noch mit anderen Bands vergleicht?

Nein, im Gegenteil. Stell Dir die Musik mal auf einem Zeitstrahl vor: Da sind solche Künstler wie Iggy Pop oder U2 schließlich ganz, ganz große Nummern. Wir selbst würden uns nie einen solchen Vergleich anmaßen, aber wenn wir so etwas lesen, dann freut uns das. Wenn ich mich nämlich durch meine riesige Plattensammlung höre (etwa 10.000 Scheiben; d. Red.), dann stelle ich immer wieder fest, dass mich neue Bands nur sehr selten beeindrucken. Denn immer wieder sind’s die alten Sachen, die sich vordrängeln, zum Beispiel The Police, The Clash, The Cure oder New Order – immer und immer wieder. Oder alter Metalkram wie Metallica, Anthrax, Slayer oder Pantera.

Es ist halt schwierig, selbst eine neue Stilrichtung „einzuläuten“.

Richtig, aber das ist für uns, für unsere neue Platte, ja auch gar nicht die Maßgabe. Sondern jene, genau das zu spielen, was einem gefällt. Wenn du unbedingt das Rad neu erfinden möchtest, dann ist’s super, wenn dir das gelingt. In den meisten Fällen aber klingt so etwas überkandidelt, so wie „Hey, wir sind Prog, wir machen das jetzt mal einfach“. Ein Song ist dann ein guter Song, wenn man ihn öfter hören will.

Hat so etwas wie Cokes „Most Wanted“, wie „Ray’s Guesthouse“, heutzutage im Fernsehen noch eine Chance?

Ich fänd’s super, wenn es so wäre. Schwierig allerdings für mich, das einzuschätzen, da ich ein klassischer „Wegschalter“ bin: Ich sehe mir manchmal Filme an, ansonsten das meiste nicht. Viele stehen halt auf „No-Brainer-Zeug“: Game- und Castingshows, wobei man nicht nachdenken muss. Ich kann das nicht ertragen. Ray-Cokes-Sendungen würde ich mir aber in jedem Falle ansehen. Das ist gut gemachte, ehrliche Unterhaltung, da wird einem kein leeres Image verkauft. Denn der Typ weiß, wovon er spricht, Cokes hat das mit der Muttermilch aufgesogen – genau wegen solcher Sendungen haben wir damals MTV geschaut.

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Du standest also schon immer mehr auf Cokes, als auf Kristiane Backer (erste deutsche Moderatorin bei MTV Europe; d. Red.)?

Nein, nein, Kristiane Backer war auch super, ehrlich. Damals fand ich die richtig, richtig scharf. Ray Cokes war aber auch schon damals eher mit Leuten wie Markus Kavka oder Ingo Schmoll (deutsche Moderatoren, die beide u.a. bei MTV arbeiteten; d. Red.) vergleichbar. Leute, die nicht lediglich ihr Gesicht hinhalten und News präsentieren, sondern die Musik selbst leben und lieben. Und so etwas, solche Momente, kannst du nicht im Internet downloaden.

Wenn Cokes euch bei einer weiteren Show einladen würde, wärt ihr dann wieder dabei?

Klar! Dafür gibt’s zwar kein Geld, aber: Mann, der Typ ist Ray Cokes! Wir wären sofort dabei. Das ist so, als wenn du Vorband für The Clash wärest – wenn es die noch gäbe. Das ist eine ganz große Ehre.

Herzlichen Dank für das Gespräch

Das Interview führte Helmut Löwe (Fotos: Helmut Löwe)

www.donots.de

Für alle, die sich nicht mehr so richtig an Sabrina und „Boys“ erinnern können, oder jene, die noch nie etwas von der Sängerin Sabrina Salerno aus Italien gehört haben, hier das Video aus den 80er Jahren:

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