Brachiale und behäbige Momente mit Opeth

Für Daniel Cavanagh gehören die Schweden ganz klar an die Spitze des Metalmusikbusiness: „Opeth – eine der besten Metalbands“, konstatierte im Kölner E-Werk der Gitarrist von Anathema, die das Vorprogamm Opeths auf deren Wintertour 2012 bestreiten. Ob Opeth wirklich eine der besten Metalbands ist, muss jeder Hörer nun wirklich für sich selbst entscheiden, dass die Truppe um Sänger, Gitarrist und Songschreiber Mikael Akerfeldt allerdings eine der vielfältigsten ist, das wurde den etwa 1.500 Zuschauern am 21. November einmal mehr deutlich.

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Der Auftritt von Opeth widerlegte klar die landläufige Meinung vieler Musikhörer, dass Death Metal, besonders ein Konzert einer Band dieser Stilrichtung, eine brüllend laute, chaotische und dumpfe Angelegenheit ist. Das Konzert, Teil der „Heritage-Tour“ zum aktuellen gleichnamigen Album, war keineswegs übermäßig laut, sondern auch ohne Ohrenstöpsel sehr gut zu ertragen. Es krachte nicht dumpf und brummelnd aus den Lautsprechern, sondern der Mann hinterm Mischpult machte seine Arbeit ordentlich, produzierte einen klaren Sound. Anteil an diesem hatten allerdings auch die Musiker um Akerfeldt selbst: Dieser und seine vier Mitstreiter lieferten ausgezeichnetes Handwerk, zeigten, dass sie ihre Instrumente bestens beherrschen und perfekt aufeinander abgestimmt sind.

Musikalische Grenzgänger

Was allerdings der Negativmeinung über Death-Metal am ehesten widersprechen dürfte, ist ein besonderes Merkmal der Opeth’schen Musik; nämlich jenes des Abwechslungsreichtums in den einzelnen Songs, das Verarbeiten einer Vielzahl von Einflüssen, die elaborierten Kompositionen. Klar, brettharte Metalriffattacken und Schlagzeuggetöse, so wie in „Blackwater Park“, mit dem sich Opeth nach einer guten eindreiviertel Stunde verabschiedeten, gehört natürlich auch dazu. Aber Akerfeldt lässt Jazz, Krautrock, 70er-Rock oder Elemente klassischer Musik Einzug in die Titel der Band halten, Opeth werden dadurch zu musikalischen Grenzgängern.

Solche Titel wie „The Devil’s Orchard“ oder „Häxprocess“ verdeutlichten an jenem Abend diese Vielfalt eindringlich: abrupte Tempiwechsel, laute und leise Töne, Getragenes und Brachiales, verzerrerfreie Gitarrenläufe – nein, dies nicht über den Auftritt verteilt, sondern alles in einem einzigen Song. Da ist es nicht weiter verwunderlich, dass die Lieder oft genug gut über zehn Minuten lang sind, was sich in der Setlist wiederspiegelte, die sich auf lediglich neun Songs beschränkte. Andere Bands feuern in derselben Zeit 20 Lieder ab. Alles in allem also schwere aber ziemlich spannende Kost für Musikfans.

Musik für eine glückliche Mutter

Akerfeldt gab zwar nicht die „Rampensau“, aber entpuppte sich als gutgelaunter Conferencier. Außer Gitarrenspiel und Gesang, bei dem auch das genretypische Growling nicht zu kurz kam, das Außenstehenden anmutet, als würde der Sänger Kehlkopf und Luftröhre nach außen stülpen wollen, plauderte der Schlacks munter drauflos: Er sei ein Fan von Jean Claude van Dammes cineastischer Prügelorgien, fünf Kumpels seien gekommen, mit Stümperei  für Abendunterhaltung zu sorgen. Außerdem sei seine Mutter glücklich mit „Heritage“, da auf der Scheibe klarer Gesang und kein Geschrei oder Growling herrsche. Nichts also mit dem bösen, ruppigen Metalrüpel, sondern ganz der nette, ruhige Typ von nebenan, der, anders als der Nihilismus und die Düsternis vieler Opethtexte vielleicht glauben machen, ein Freund von Humor und Ironie ist. (Fotos: Helmut Löwe)

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