Konzertfotos: Neal Morse Band u. Mike Portnoy (26.02.2013, Live Music Hall, Köln)

Machte Ludwig van Beethoven wohl solche Art von Musik , wenn er im Jetzt leben würde? Wenn er, wie Neal Morse und seine musikalischen Mitstreiter, E-Gitarre, Keyboards, Schlagzeug und E-Bass zur Verfügung hätte, Instrumente, die zu seiner Zeit, Ende des 18., Anfang des 19. Jahrhunderts, unbekannt waren? Wahrscheinlich ja, denn das, was die Band um den US-Gitarristen Morse und den Ausnahmeschlagzeuger Mike Portnoy  an den Tag legt, würde dem Bonner wohl gefallen. Und ihm hätte sicherlich auch der Auftritt der Neal Morse Band in der Kölner Live Music Hall am 26. Februar gefallen.

Die Progrocker zogen vor knapp 1.000 Zuhörern alle Register ihres Könnens, zeigten, dass moderne Rockmusik weit mehr sein kann, als vielfach gehörtes „Hauruck-und-derbe-drauflos“.  Songs jenseits der 30 Minuten wie „World without End“ müssen nicht langweilig sein, wenn sie gespickt mit Tempiwechseln, unterschiedlichen stilistischen Einflüssen, kompositorischer Finesse, Wucht und Dramatik sind. Verzerrte Gitarre, ganz und gar hardrocklastig, ausufernde Keyboardläufe im Stile Yes‘ oder Genesis‘ oder gar jazzlastige Einflüsse – trotz überbordender genreübergreifender Elemente ist das Fahrwasser deutlich rockorientiert, mit viel „Druck nach vorne“ – auch dank Portnoy, dessen Schlagzeugspiel nie eintönig, sondern stets mit überraschenden, ungewöhnlichen Breaks gespickt ist und auch an jenem Abend war.

Zusammen mit der Neal Morse Band hatten sich The Flower Kings eingefunden, deren Bandkopf Roine Stolt in diesem „Tourensemble“ wie die Faust aufs Auge passte: Stolt spielt zusammen mit Morse und Portnoy in der Band Transatlantic, die, wie könnte es anders wohl sein, sich ebenfalls dem Progrock widmet. Kaum verwunderlich demnach, dass genau jene drei sich zum Ende des dreieinhalbstündigen Konzertabends zusammen mit den anwesenden Musikerkollegen zu einer Transatlanticsession auf der Bühne einfanden. Und sich den verdienten Applaus des Publikums einfingen, welches außer mit exquisiter Musik auch noch mit einem für die Live Music Hall ungewöhnlich guten Sound bedacht wurde.  (Fotos: Helmut Löwe)