Vier gute Tipps fürs Reeperbahnfestival

Das Hamburger Reeperbahnfestival vom 25. bis 28. September ist ein schier unerschöpflicher Fundus für Musikliebhaber: Über 240 Musiker und Bands sowie weitere Künstler abseits der Musikbranche stehen während der vier Tage auf den Bühnen der etwa 60 Veranstaltungslocations. Nein, nicht die riesigen Namen des Business sind dabei, sondern vieles aus der Nachwuchsecke, als Geheimtipps gehandelte Musiker oder solche, die noch nicht hin und her durch die ersten zehn Plätze der Charts dudeln.

Gut, Namen wie Kate Nash, James Blunt, Shout out Louds, Kettcar und Ben Ivory werden wohl einer großen Menge Hörer durchaus bekannt sein. Aber Truppen wie Käptn Peng & Die Tentakel von Delphi, The Sheepdogs oder Eliza And The Bear sind – momentan – eher noch etwas für kleine, verräucherte Clubs oder Hallen, die einem überschaubarem Publikum Platz bieten. Aus dieser Reihe wollen wir drei Bands vorstellen, für die sich ein Abstecher in die Hansestadt in jedem Falle lohnt.

Gelungenes aus der derben Rockecke

Kvelertak haben mit ihrem jüngsten Werk „Meir“ die Hardrock- und Metalszene ganz schön in Aufregung versetzt. Mit ihre Mixtur aus Metal, Punk und Rock hatten die Norweger die Kritiker und Fans flugs auf ihrer Seite. Und das, obwohl nur die wenigsten verstehen, wovon Erlend Hjelvik singt: Der Sänger des Sextetts beschränkt sich allein auf seine norwegische Muttersprache. Und dort standen Kvelertak sogar auf Platz eins der Albumcharts.

Monster Truck liefern erfrischend modernen Retro-Hardrock. Die Kanadier legten mit ihrem Debüt “Furiosity” ein sattes Stück Musik hin. Fast ohne Unterlass lässt das Quartett aus Hamilton die gute, alte Rocksau raus, macht mächtig Druck, dass man das Gefühl hat, vor einem Dampfkessel zu stehen, der gleich explodiert, sich in einem Rennwagen zu befinden und in den Sitz gepresst zu werden. Sogar Gitarrenidol Slash sprach Monster Truck außerordentliche Qualität zu. Ob das die früheren Kyuss Lives! und jetzigen Vista Chino um Bandkopf John Garcia dazu verleitete, Monster Truck auf der Herbsttour ins Vorprogramm zu holen?

Plattenkritik: Furiosity von Monster Truck faucht wie eine Dampflok

Indie und wirre Blödeleien

The Boxer Rebellion sind aus London, vereinen aber einen Amerikaner, einen Australier sowie zwei Briten unter einem Dach. Die Mischung aus Indie-Rock, Post-Rock und Alternative ist durchaus melodiös, könnte sogar als Brit-Pop durchgehen. Zurzeit stellen The Boxer Rebellion ihr viertes Album „Promises“ live vor; da kann man die Band auf dem Reeperbahnfestival ruhig mal mitnehmen.

Tipp Nummer vier ist kein Musiker, keine Band, aber eine Koryphäe in Sachen Musik: es handelt sich um den früheren MTV-Moderator Ray Cokes. Der humorige, schlagfertige und lebhafte Brite ist mit seiner „Reeperbahn Revue“ an drei Terminen zu Gast. Zum fünften Male bereits. In seiner zum Teil wirren Show hat er Talkgäste und Musiker auf der Bühne, macht auch nicht davor Halt, das Publikum einzubinden. Sex, Drugs, Rock’n’Roll und alle anderen Aspekte der Musik kommen aufs Tapet. Kurze Auftritte von Bands auch. (Foto Kvelertak: Stian Andersen)

Interview mit Ray Cokes: Bin zu allen Schandtaten bereit“

www.reeperbahnfestival.com