The Wave Pictures produzieren auf „City Forgiveness“ reduzierte Wohlfühlmusik

Wer ein Doppelalbum veröffentlicht, hat üblicherweise viel zu singen, viel zu musizieren. Anscheinend liegt The Wave Pictures aus England musikalisch und textlich so einiges auf der Zunge, ist ihre neue Scheibe „City Forgiveness“ doch ein dickes Paket mit 20 Songs geworden, gepresst und gebrannt auf zwei Vinylscheiben oder zwei CDs. Das fünfte Studioalbum ist es obendrein – recht ordentlich für ein Trio mit geringem Bekanntheitsgrad, welches gemeinhin kleine Konzertsäle von eher überschaubarer Größe füllt.

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Erstaunlich genug, denn die Musik, die The Wave Pictures produzieren, könnte irgendwie jedem gefallen, hat von allem und für jeden etwas : Ein wenig Blues und Country, Garage und Lo-Fi, Bluesrock, Folk und die Schlichtheit des Punk, oder wie es das Label Moshi-Moshi-Records mal ausdrückte, die „Essenz von britischem Indie“. Genau dieses Sammelsurium der Stilrichtungen ist auf „City Forgiveness“ vertreten. Gepaart mit den alltäglichen Geschichten, die Sänger und Gitarrist Dave Tattersall inmitten der spartanisch wirkenden Klänge erzählt, respektive singt.

Bodenständige Aufnahme statt abgehobener Produktion

Entstanden sind die Songs, die Texte, auf einer sechswöchigen Tour quer durch die USA. Tattersall füllte seine Notizbuch mit Begebenheiten, spontanen Ideen. Aus vielen Seiten zerknitterter Notizen schrieb er, so berichtet Tattersall, die Songs für das Album in einer Woche. Dass in dieser kurzen Zeit nicht viel Raum für aufwändige, runde und satte Kompositionen, elegante Melodieabläufe oder instrumentalischen Feinsinn war, merkt man sogleich: Die Lieder hören sich sehr bodenständig, sehr reduziert an, oft genug, als hätte man während einer Studiosession einfach mal das Aufnahmemikro hingehalten.

Hie und da taucht ein schräg klingendes Saxophon auf, den Schlagzeugrhythmus bestreiten raschelnde Besen und die Gitarren- oder Basssoli klingen immer mal wieder nach einer spontanen Jamsession, als wenn sie absichtlich haarscharf an der Tonleiter vorbei gespielt worden wären. Aber genau das macht den Charme der Scheibe aus: keine überbordende Produktion, kein aufgeplusterter Sound, der aus wenig viel macht. Tattersall, Bassist Franic Rozycki und Schlagzeuger Jonny Helm liefern einfach mal nette Wohlfühlmusik in ziemlich puristischer Form ab. (Foto: Pressefoto)

„City Forgiveness“ von The Wave Pictures ist erschienen auf Moshi-Moshi-Records und im Vertrieb von Pias. Die Laufzeit der zwei CDs mit jeweils zehn Songs beträgt 1:30:55 Stunden. Das Album gibt’s auch im Stream zu hören.

Anspieltipps: Chestnut, Lisbon, The Woods, Atlanta

www.thewavepictures.com