Fall Out Boy – die Maskenjungs lassen Bässe sprechen

Für die einen ist es ein Rockkonzert, für die anderen eine Art Oberstufen- oder Erstsemesterparty: Ein Auftritt von Fall Out Boy, US-Amerikanische Alternative-Powerpoppunk-Hardrock-Country-Truppe, die jüngere Musikfans in Scharen in die Konzerthallen locken. Nicht anders im ausverkauften Kölner Palladium, wo das Quartett aus Chicago am 7. März den einzigen Deutschlandstopp ihrer Tournee im Frühjahr 2014 einlegte. Ungewöhnlich der Auftakt, denn mit Sturmmasken bekleidet gingen Sänger Patrick Stump, Bassist Pete Wentz, Gitarrist Joe Trohman und Drummer Andy Hurley kurzzeitig ein wenig auf Pussy-Riot-Kurs. Doch an ihren Instrumenten sollt ihr sie erkennen: die Anonymität war nach Sekundenbruchteilen verschwunden.

Konzertfotos: Fall Out Boy im Kölner Palladium

Vom ersten Song an jubelte, kreischte und feierte ein Heer 15- bis 25-jähriger Mädchen, die meisten begleitet von ihren kaum älteren Freunden, die Truppe anderthalb Stunden ohne Pause. Irgendwie kam man sich in der johlenden Menge beinahe so vor, als wäre man auf eine aufwändig abgemischte Liveplatte geraten: so, wie auf dieser zu Beginn und zu Ende eines fast jeden Songs die kreischende Fanschar zu hören ist, die jedesmal in den Vordergrund gemischt wird, war es auch im Palladium. Aber live, ohne Netz und doppelten Boden. Kaum dass das erste Gitarrenriff, der erste Basslauf ertönte, setzten lautstarke Begeisterungsstürme im Publikum ein, die fast alles übertönten. Das nötigte Wentz ein erstauntes „es ist unglaublich, wie laut ihr seid“ ab. Kein Wunder, dass bei einer solchen Hingabe der Fans an ihre Band bei den Zuschauern ebenso jede Textzeile saß, fehlerfrei mitgesungen wurde.

Kreuz und quer durch die Genres

Dass Fall Out Boy nur schwerlich in ein einziges Musikgenre eingeordnet werden können, wurde einmal mehr allzu deutlich: melodischer Hardcore reihte sich an chartkompatiblen Highschoolpunk, der wiederum den stampfenden Hardrocker ablöste, bevor die countrylastige Schmuseballade einsetzte. Warum auch sollte es live anders sein, als auf Platte: Auf „Folie à Deux“ mischten Elvis Costello, Debbie Harry sowie Lil Wayne oder Pharrell Williams mit, auf „Save Rock And Roll“ – dem aktuellen Werk – Elton John, Courtney Love oder Big Sean. In diesen Reigen passte dann auch das Cover von Michael Jacksons „Beat it“ wie die Faust aufs Auge, wenn man vom Gitarrensolo absah, das Trohman lange nicht so gekonnt hinbekam wie einst Gitarrengott Eddie van Halen.

Soundmäßig ließen sich sich Fall Out Boy nicht lumpen: ziemlich basslastig feuerten sie die Titel in die Menge. Jeder Tritt in die Bassdrum fühlte sich an wie ein Schlag in die Magengrube, Vibrationen durchzogen das Publikum bis in die letzte Reihe. Eine kurze Pause vom Dürchgerütteltwerden brachte ein Akustikteil, bei dem Fall Out Boy es auf Barhockern platziert deutlich ruhiger angehen ließen. „I’m Like A Lawyer“ und „Grand Theft Autumn/Where Is Your Boy“ in abgespeckter Version verbreiteten einen Hauch von Lagerfeuerromantik.

Smartphonelämpchen anstatt riesiger Lichtbatterien

Als besonderen Ansporn an die jungen Fans packte Wentz eine gigantische Lobhudelei auf die Jugend aus: die jungen Menschen, darunter alle jene, die sich in die Konzerthalle aufgemacht hätten, seien es, die die Zukunft gestalten. Sie seien es, die die Kraft hätten, die Welt zu verändern. Und zum Glück ist die junge Generation auch bestens mit Mobiltelefonen ausgestattet; denn wie sonst anders hätte es hingehauen, dass zu „Just one Yesterday“ das Bühnenlicht ausging und die Lämpchen hunderter Smartphones für eine sehr außergewöhnliche Lightshow sorgten? Ein ungewöhnliches, gutes Konzert.

Konzertfotos: Fall Out Boy im Kölner Palladium