Five Finger Death Punch mit Punktsieg statt K.o.

Wer möchte so richtig etwas auf die Fresse haben? Musikalisch? Der ist mit der US-Metaltruppe Five Finger Death Punch – kurz auch FFDP oder 5FDP genannt – recht gut bedient. Vor allem, nachem sie 2013 mit ihren beiden Alben „The Wrong Side of Heaven and the righteous Side of Hell“ 1 und 2 den Metalheads recht gut was auf die Zwölf gab. Die beiden Alben verliehen dem Quintett um Sänger Ivan Moody einen ordentlichen Karriereschub. Solch einen, der es mit sich brachte, dass ihre Deutschlandkonzerte im Frühjahr 2014 oft in größere Hallen verlegt wurden und mehrfach als „ausverkauft“ gekennzeichnet waren.

Konzertfotos: Five Finger Death Punch im Kölner E-Werk

So und nicht anders am 22. März, als 2.000 Metalfans im ausverkauften Kölner E-Werk der Band lautstark und bedingungslos huldigten. Und auch recht kurz: Nach knappen 70 Minuten und 15 Titeln war der Infight mit dem Publikum auch schon wieder vorbei. So reichte es nicht ganz zum Knock Out, zumindest war der Sieg nach Punkten aber drin. Dabei hatte der Auftritt doch so fulminant begonnen, Songgranaten wie „Under and over it“, „Burn it down“ oder gar „Lift me up“ fuhren wie ein Blitz in die erhitze Menge in der alten Industriehalle im Stadtteil Mülheim. Als sich Moody dann auch noch in eine Deutschlandflagge hüllte und erklärte, dass die verrücktesten Metalfans jene in Deutschland seien, war das Band der Treue zwischen FFDP und Fans endgültig untrennbar geknüpft.

Saubere Beinarbeit wird vernachlässigt

Wie ein großer Entertainer verstand es Moody, die Zuschauer ein ums andere Mal durch Anekdoten, Anfeuerungsgesten und Vokalattacken auf seine Seite zu ziehen. Und entfachte riesige Begeisterung, als er aus dem Publikum fünf Fans auf die Bühne holte, die mit ihm den Refrain von „Burn MF“ anstimmten. Dass lediglich einer der Erwählten halbwegs stimmfest war und dem kantigen, derben Song die nötige Brachialität zuteil werden ließ, dafür konnten FFDP nun wahrlich nichts. Wofür die Band jedoch etwas konnte, war, das Tempo aus dem bis dahin kraftvollen Auftritt zu nehmen: Mit drei für die Metaller eher behäbig-langsamen Stücken, präsentiert zum großen Teil in einer abgespeckten Akustikversion, ließen FFDP die bis dahin sehr saubere und lebhafte Beinarbeit schleifen, machten die Erholungspause etwas zu ausgiebig. Die langsamen Titel im Mehrfachpack sind nicht so ganz das Geschäft von FFDP.

Konzertfotos: Five Finger Death Punch im Kölner E-Werk

Die Fans ließen sich dennoch nicht aus dem headbangenden Trott bringen, nahmen bei „Never enough“ wieder rasant Fahrt auf. So viel, dass Moody sich genötigt sah, die tobende Menge im Moshpit zur Mäßigung aufzurufen, die Fans darauf hinwies, Vorsicht gegenüber der mit einem arbeitsreichen Abend versehenen Security sowie den pogenden Nachbarn walten zu lassen. Schlagartig ruhig wurde es, als Moody gemeinsam mit dem Publikum eine bedächtige A-cappella-Version von „Far from Home“ anstimmte. Mit dem Rausschmeißer „The Bleeding“ zeigte die Band dann wieder, dass ihr Ding dann doch die härteren Nummern sind. (Fotos: Helmut Löwe)