Shaka Ponk tosen durch Strasbourgs Laiterie wie ein Tornado

Es gibt Konzerte, und es gibt Konzerte. Solche, die man nach dem Besuch unter „schön, dass ich mal da war“ abhakt, und solche, die das Prädikat gut oder sehr erhalten. Tja, und dann gibt aber auch Konzerte, die man mit vor Staunen geweiteten Augen verlässt, bei denen einem der Mund quasi vor Begeisterung offensteht, weil sie ganz anders waren, als man erwartete. Nämlich viel, viel besser. Quasi wie eine Eins plus mit Sternchen, wie eine Doktorarbeit mit der Bewertung summa cum laude. Und genau solch ein Konzert lieferten die französischen Crossoverrocker Shaka Ponk auf ihrer Tour zum neuen Album „The White Pixel Ape“ am 13. März  2014 in La Laiterie in der Elsassmetropole Strasbourg ab.

Konzertfotos: Shaka Ponk in La Laiterie in Strasbourg

Vollgas bis zum Anschlag

Der Auftritt der Truppe rund um Sänger Francois „Frah“ Charon, Sängerin Samaha Achoun und den animierten Affen Goz war ein zweistündiges Energiebombardement, ein Dauerfeuer aus Optik und Akustik gepaart mit unglaublich viel Elan, Aktivität und Schweiß. Oder, wie es Shaka Ponk im Interview mit Alternativmusik.de mit arger Untertreibung sagten, eine „Show aus Magie, Grafik und Musik“, zu der die Zuschauer kommen, „wenn sie schwitzen möchten“. Und dabei fing alles so harmlos an – mit einem behäbigen, mehrminütigen Intro samt einer Animation einer Cellospielerin. Doch dann aber machte diese dem „Bandmaskottchen“, dem digitalen Goz, Platz, und es war aus und vorbei mit der Entspannung. Die ersten Takte von „Black listed“ gaben sogleich die Devise für den Rest des Abends vor: Vollgas bis zum Anschlag mit Metal-Pop-HipHop-Ska-Punk-Party-Elektrorock, das ohne Unterlass.

Anders als so viele anderen Bands beschränkten sich Shaka Ponk allerdings nicht bloß auf die Macht der eigenen Musik. Wie ein optisches Sturmkommando riss einen die Lightshow und die Videoanimation im Bühnenhintergund einfach mal um. Jeder Song wurde begleitet von einem irrwitzigen Bildspektakel, in dem Goz, mal als Eintänzer im weißen Anzug, als banjospielender Cowboy oder im Infight mit Untoten die Hauptrolle innehatte. Und wer gab sich sich sonst noch die Ehre auf der Leinwand? Futuristische Gorillas, Mensch-Maschinen, Robotersurfer, Terminatoren, Skelette, achtarmige Göttinen oder Zombie-Mönche, die ziemlich blasphemisch als Gospelchor zum Hallelujah tanzten. All diese außergewöhnlichen Protagonisten aus der digitalen Sphäre des Computers bewegten sich durch Szenerien, die einem Steampunkfilm zu entspringen schienen, einer postapokalyptischen Landschaft entstammten, aus H.G. Wells‘ Krieg der Welten krochen sowie aus dem Hirn eines Jules Verne im Acid-Rausch.

Immer wieder hinein ins tobende Publikum

Gitarrist Cyril Roger und Keyboarder Steve Desgarceaux hatten sich am rechten Bühenrand platziert, Bassist Mandris da Cruz und Schlagzeuger Ion Meunier am linken. So hatten Frah und Samaha reichlich Platz in der Mitte, um sich auszutoben, sich Schauspielern gleich immer mal wieder synchron zur Animation durch die verschiedenen Videoszenerien zu bewegen. Im Duett, im Dialog im Duell – das Agieren beider war durchsetzt von Neckereien und sexuellen Anspielungen. Ein bisschen so wie Susi und Strolch, Rhett Butler und Scarlett O’Hara oder James Bond und Gespielin. Kontakt zum Publikum gab’s ebenso reichlich; das nicht nur in launischen Ansagen und Plaudereien von Frah. Nein, auch auf die direkte körperliche Art, wenn sich Frah ein ums andere Mal mitten hinein in die tobende Menge vor der Bühne warf und auf den Händen der Zuschauer hoch über deren Köpfen „schwamm“. Und er es tatsächlich fertig brachte, auf Schultern, Armen und Köpfen der Fans stehend die letzte Ansage zu machen.

Konzertfotos: Shaka Ponk in La Laiterie in Strasbourg

Mit ihrem Auftritt lieferten Shaka Ponk eine Art Blaupause eines Konzertes ab, in dem mitreißende Musik, Publikumsnähe, viel Energie und rasante Optik eine nahezu perfekte Symbiose eingehen. Fotografenkollege José Oliveira fasste seine Begeisterung einfach aber vielsagend zusammen: „die waren besser als jede amerikanische Superstarrockband“! Und das nicht mal in einer riesigen Multifunktionshalle, sondern in einer kleinen Location, die mit knapp 1.000 Zuschauern ratzeputz ausverkauft war. Hey, ihr anderen Rockbands, ihr wollt wissen, wie Konzert richtig geht? Dann seht euch einen Auftritt von Shaka Ponk an, dann wisst ihr’s! (Fotos: Helmut Löwe)

Setlist

– Intro
– Black listed
– Twisted Mind
– Come on cama
– On the Road
– Shiza Radio
– Last Alone
– Yell
– Story O‘ my LF
– Sex Ball
– Scarify
– Altered Native Soul
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– Drumbattle Ion vs. Goz
– I’m picky
– Te gusta me
– My Name is Stain
– 6x Love
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– Morir Cantando