APTBS‘ „Transfixiation“: anarchische Gitarreneffekte auf krossem Post-Punk-Bett

Die zerstörerischen Gitarrenexperimente David Ackermanns nehmen von Platte zu Platte zu, immer mehr steuert er der abgespeckten Rhythmussektion von A Place To Bury Strangers wüste Sounds, Rückkopplungen und Effektpedalattacken bei. Basierend auf einem maschinell angehauchten Post-Punk-New-Wave-Rock-Kissen aus der immerwährend gleichen rhythmischen Arbeit des Drummers Robi Gonzales und Bassisten Dion Lunadon lümmelt dich der Effektgerätebauer und Gitarrist mit exorbitant weitreichenden tonalen Explosionen dessen, was eine Gitarre zu leisten vermag. Und tangiert dabei mehr als einmal die tiefgründigen und undurchdringbaren Gewässer der Atonalität.

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Mehr und mehr entfernen sich die New Yorker, die immer mal wieder als eine der lautesten Bands bezeichnet werden, von der einstigen Nähe zu den Post-Punk-Idealen des Beginns der 80er Jahre. Nur noch wenig erinnert auf dem vierten Studioalbum zum einen an die krachig-melodiöse Musik des Zweitwerks „Exploding Head“ oder die deutlich rauere Interpretation auf „Worship“ aus dem Jahre 2012. Auf solchen Scheiben wagte die Gitarre stets eine lautstarken Sprung aus dem Hintergrund nach vorne, machte einen verzerrten und wilden Ausflug in die Weiten der Effekte. Nun aber, auf „Transfixiation“, hält die wüste Gitarre mit ihren schrägen Soundgranaten, ihren oft melodiebefreiten Exkursionen und schroffen Klanggimmicks das Zepter ganz klar in der Hand. Der penetrante Rhythmus, den Gonzales und Lunadon gekonnt produzieren, gerät in den klanglichen Hintergrund.

Wo Experimentelles und Anarchisches regiert

Nichts geändert hat sich an der halligen Stimme Ackermanns. Dieser näselt sich äußerst gelassen wirkend durch den Noise-Rock, der an vielen Stellen mehr Noise als Rock beinhaltet. „If you fuck with me, you’re gonna burn“, so singt Ackermann in „Deeper“ – dabei ist sexueller Kontakt gar nicht nötig, der gut sechsminütige Krachmacher verbrennt einen schon allein beim Hören. „Supermaster“ oder „Now it’s over“ lassen zwar die Post-Punk-Fans aufhorchen, doch dies Aufhorchen währt nicht lange: Bei Songs wie „Love High“ oder „I’m so clean“ auf lärmendem Punkspiegel ist schnell Schluss mit Lustig. Und spätestens mit „I will die“ nimmt das Experimentelle und Anarchische in der Gitarrenmusik überhand; aber keine Angst: die Lautsprecher sind nicht kaputt, Getöse hin oder her. Keine leichte Kost also, was uns A Place To Bury Strangers da servieren. Oder, wie es Lunadon treffend ausdrückt: „eklig, böse und gefährlich“. (Foto: Dusdin Condren)

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„Transfixiation“ von A Place To Bury Strangers ist erschienen auf dem Label Dead Oceans und in Vertrieb von Cargo Records. Die Spielzeit des Albums mit seinen elf Songs beträgt 39:29 Minuten.

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