„Spirit on a Mission“ – Schenkers Temple of Rock erfüllt die Mission

Michael Schenker als Rockgitarristen der alte Schule zu bezeichnen, damit liegt man sicherlich richtig. Zumindest dann, wenn man meint, dass der eine der legendären Schenkerbrüder sein Metier von der Pike auf gelernt hat, sein Instrument perfekt beherrscht. Denn alte Schule heißt keineswegs, altbackene Saitenkunst zu produzieren. Und das tut Michael auf seinem neuen Werk zusammen mit Temple of Rock absolut nicht. „Spirit on a Mission“ ist Classic Rock, traditioneller Hardrock und Metal – aber absolut auf der Höhe der Zeit. Mit der Nachfolgescheibe zu „Bridge the Gap“ ist dem 60-Jährigen und seinen Mitmusikern ein echt starkes Stück Rockmusik gelungen.

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Das liegt nicht alleine daran, dass Michael mit Sänger Doogie White, Gitarrist und Keyboarder Wayne Findlay, Bassist Francis Buchholz und Schlagzeugikone Herman Rarebell ausgezeichnete Kollegen hat. Nein, denn die Kompositionen der zwölf Songs sind fast durchgehend ausgereift, vereinigen Spielkunst, Druck, Abwechslung und eine gehörige Portion Geschwindigkeit. Zu genüge treibt Rarebell Titel wie „Rock City“, „Bulletproof“ oder „Restless Heart“ an, findet im Temporiffing Michaels kongeniale Begleitung. Über die Riffarbeit hinaus, welche weit übers Losgebolze und geradeaus Gasgeben ausgelegt ist, nimmt sich der Blonde mit Strickmütze viel Zeit, Gitarrenkunst in Form von Soli  zu produzieren.

Klassisch inspirierte Soli als Inspiration

Fast jedes Lied hat zwei Soloteile zu bieten – keine, die kurz, knapp oder gar profan daherkommen, sondern so angelegt sind, dass sich jeder Nachwuchsgitarrist eine Scheibe davon abschneiden kann. Oft genug findet man Einflüsse klassischer Kompositionen in den Soli Michaels wieder. Besonders auffällig ist dies bei „Something of the Night“, dessen Melodielauf ganz eindeutig von Nikolai Rimski-Korsakows „Hummelflug“ inspiriert ist, elegant in Soloaktivität übergeht und die Kurve zurück kriegt, ohne dass es anbiedernd oder gar abgeschmackt klingt. Zudem liefern die vielen Soloparts dem Mann an der Flying V auch live reichlich Gelegenheit für Improvisation.

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Mit Findlay hat Michael einen Musiker an seiner Seite, der mit seiner 7-saitigen Gitarre ein sehr guter Partner ist, seine Keyboardeinsätze punktiert setzt. Whites Vokalkunst passt exzellent zu genau der Art der präsentierten Musik. Ob Lieder mit viel Tempo und Doublebass, vermeintlich getragenes Material wie „Communion“, „Saviour Machine“ und „All our Yesterdays“ (man achte auf die auffällige Schlagzeugarbeit) oder ordinäre Hardrockstampfer wie „Vigilante Man“ – der Mann ist überall zuhause. „Doogie hat sich mit den Melodien und seinem Gesang selbst übertroffen“, lobt Michael ihn. Wohl nicht ganz zu unrecht. Wer auf guten Hardrock mit viel Metalanleihen steht, ist mit dem neuen Werk von Michael Schenker und Temple of Rock bestens bedient. Mission voll erfüllt! (Foto: Helmut Löwe)

„Spirit on a Mission“ von Michael Schenkers Temple of Rock hat mit seinen zwölf Songs eine Laufzeit von 50:56 Minuten. Die Platte ist erschienen auf Inakustik.

Anspieltipps: Saviour Machine, Something of the Night, All our Yesterdays, Bulletproof

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