Churchhouse Creepers machen Party bis zur Apokalypse

Das musikalische Island gilt für die meisten ja eher als Hort alternativer Klänge, des Indie-Rocks oder Folks. Björk und The Sugarcubes fällt einem gleich ein, Sigur Rós auch noch. Wer up to date ist hat Of Monsters and Men, GusGus oder die metallisch inspirierten Sólstafir parat. Aber eine Band, die nett anzuhörenden Haudraufrock macht? Musik, die mal ohne voller Anspruch sein zu wollen einfach abgeht? Da muss man ganz schön überlegen und kommt gar nicht mal auf einen Namen. Diese Lücke allerdings kann geschlossen werden: durch „From Party to Apocalypse“, das Debütalbum der Churchhouse Creepers.

Denn dies widmet sich ganz eindeutig dem „energetischen , stonerlastigen, Party-gute-Laune-Rock’n’Roll“, wie das Waschzettel des Labels weissagt. Und genau so ist das ja im Grunde genommen auch richtig, da will man dem Label gar nicht widersprechen. Ohne viel Firlefanz sowie großes elaboriertes Songwriting und filigranes Instrumentengehabe legen Gitarrist und Sänger Bjarni Jóhannes Ólafsson, Bassist Sigurgeir Lúðvíksson und Schlagzeuger Dagur Atlason los. Und legen den Schwerpunkt deutlich auf den schon genannten Party-und gute-Laune Rock. Na ja, so ganz lassen die drei Isländer Stonerelemente nicht außen vor, zumindest jene, die auf forscheres Tempo abzielen..

Artwork für Batmanfans, Musik für Hörer, die auf Drive stehen

Als „Retrorock“, der ja momentan mal wieder voll und ganz angesagt ist, kann man die Musik der Churchhouse Creepers allenfalls am Rande bezeichnen. Deutlicher retro dagegen das Cover des Albums, welches jeden Batmanfan – sofern er auf die US-Fernsehserie der 60er Jahre mit Adam West als Batman abfährt – hellauf begeistern dürfte: Eine Menschenmenge, fliegende Faust, eine überdimensionale Katze, die Laserstrahlen aus ihren Augen abfeuert, und im Hintergrund Ufos samt Außerirdischer, welche die Erde in Aufruhr bringen; und das ganze im farbintensiven Stil von Comiczeichnungen vergangener Dekaden. Ganz schön bunt.

Der Opener „Party“, vielmehr dessen musikalisches Thema, lässt einen Hauch an Primus‘ „Wynona’s Big Brown Beaver“ aufkommen. Und das Intro von „No Monday“ mag versierte Musikkenner an „Generation“ von Red Lorry Yellow Lorry erinnern. Aber egal, wen stört’s? Hauptsache das, was die Churchhouse Creepers abliefern, ist gut gemacht, hat Drive und kann den Hörer begeistern. Ja, begeistern tun die Songs allemal; für jemanden, der Kadavar gut findet, der Monster Truck etwas abgewinnen kann oder Freedom Hawk für dich entdeckt hat, bietet „From Party to Apocalypse“ genau das, was einem gefällt.

Dafür, dass keine große Eintönigkeit aufkommt, sorgen so manche Tempiwechsel in vielen der Songs. Diese setzen manches Mal sogar ziemlich abrupt ein, scheinen einen ganz neuen Song kreieren zu wollen, bevor erneut die zuvor eingeschlagene Geschwindigkeit wieder aufgegriffen wird. Und auch mit dem ein oder anderen Solo geizt Ólafsson nicht, bringt es passend unter. Ein sehr guter Start, den die Churchhouse Creepers hinlegen – wenn das Trio im Nachfolger etwas mehr Eigenständigkeit entwickelt und seine Songs etwas abwechslungsreicher gestaltet, darf es gerne länger in der Musikszene am Ball bleiben.

„From Party to Apocalypse“ von den Churchhouse Creepers hat neun Songs und eine Laufzeit von 34:42 Minuten. Das Album ist eine Eigenveröffentlichung der Band.

Anspieltipps: Party, Drunk Something, Satan Waits, Apocalypse

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