Jeanne Added verschafft mit „Be Sensational“ schöne, ruhige Elektromomente

Der Elan der Anne Clark ist 2016 weitgehend aufgebraucht. Die Britin, für ganz viele Musikhörer eine Art Ikone des Waves und Elektros, sagt der Bühne mit einer Abschiedstour auf Wiedersehen: „Nach 36 Jahren voller Auftritte und einiger gewollter wie ungewollter Pausen ist es an der Zeit aufzuhören, neue Energie zu tanken und meine Welt umzuschreiben. Ich danke Euch für all Eure ununterbrochene Unterstützung und Euren Enthusiasmus – früher, jetzt und in der Zukunft!“. Schluss also mit tanzbaren Liedern, poetischer Klanglichkeit und musikalischem Weltschmerz.

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Für wen sich da als Hörer eine ungewohnt große Lücke auftut, der kann sich ja mal an Jeanne Added versuchen. Womöglich entdeckt er im musikalischen Kosmos der Französin sogar einen veritablen Ersatz für das langjährige Schaffen Anne Clarks. Denn das, was Added auf ihrem Debütalbum „Be Sensational“ präsentiert, erinnert in der Tat sehr stark an das musikalische Werk Clarks. Allerdings weniger an solch Rhythmusgetriebenes wie „Sleeper in Metropolis“ oder „Our Darkness“, sondern vielmehr an die ruhigeren Keyboard- und Synthesizermomente.

Die in Reims geborene Added begann ihre musikalische Laufbahn zunächst mit dem Studium des klassischen Gesangs und des Cellos. Später widmete sie sich dem Jazz in seinen unterschiedlichen Variationen. Davon allerdings ist auf „Be Sensational“ nur noch sehr wenig zu hören. Oder wie Added selbst feststellt: von ihren musikalischen Wurzeln sei inzwischen nur „noch wenig in meiner Musik übrig geblieben, ich selbst würde sogar sagen: eigentlich gar nichts“. Ja, da hat die 35-Jährige Recht, was die Stimmer aber betrifft, da rangiert Added sehr weit vorne.

Digitales Handwerkszeug und eine klare Stimme

Instumentell beschränkt sich „Be Sensational“ bis auf Drums und Bass als Rhythmusinstrumente allein auf digitales Handwerkszeug: Keyboards und Synthesizer tragen Titel wie den gelungenen Opener „A War ist coming“, „It“ oder „Lydia“, indem sie diese antreiben. Weniger tanzbar denn vielmehr minimalisiert rhythmisch. „Back to Summer“ gar deckt das Genre Elektropop ab. Deutlich ungewöhnlicher arbeiten Added sowie Dan Levy und Macielle Chatain auf den anderen Songs. Langsam, ja fast schon behäbig wirken „Look at them“, „Miss it all“ und der Titelsong „Be Sensational“. An vielen Stellen wirkt die Musik lediglich wie ein nettes Beiwerk zu Addeds klarer und sehr angenehmer Stimme.

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Im Schlussspurt allerdings baut das bis dahin schöne Album etwas ab. „Ready“ und „Suddenly“ wirken wie nicht so ganz zuende gedacht; so wie Lieder, denen noch der kompositorische Feinschliff fehlt. Da hat man aber dann doch den Eindruck, dass die Wurzeln der Jazzmusik – das Extraordinäre – hin und wieder an die Oberfläche durchbrechen. Besonders auf „Ready“ experimentiert Added ein bisschen viel, anstrengend zu hören ist das Stück. Wenn man von dieser schweren Kost absieht, hat man als Käufer jedoch ein ansehnliches Album, welches immer wieder durch schöne, ruhig-rhythmische Elektromomente glänzt. (Foto: Marikel Lahana)

„Be Sensational“ von Jeanne Added hat zehn Songs und eine Laufzeit von 37:35 Minuten. Das Album ist erschienen auf dem Label Naive und im Vertrieb von Indigo.

Anspieltipps: A War ist coming, Miss it all, Back to Summer

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