Red Hot Chili Peppers in Köln: ab und an kracht’s im Musikgebälk

Die Zeiten, als die Red Hot Chili Peppers zum Unbehagen so manch eines lediglich mit Socken über ihrem Gemächt auf der Bühne standen, die sind schon ganz lange passé. Nackte Oberkörper sind heute, im Jahre 2016, sexuell gesehen wohl das höchste der Gefühle. Zumindest dies propagieren Michael Balzary, besser bekannt als Flea, und Anthony Kiedis jedoch zu Genüge. Auch in Köln, wo die Red Hot Chili Peppers – kurz genannt einfach RHCP – am 14. November einen Konzertstopp auf ihrer nach dem aktuellen Album benannten „The-Getaway“-Tour machten.

Fotogalerie: Red Hot Chili Peppers 2016 in Köln

Ach ja, ein klein wenig mehr Verruchtes als nackte Oberkörper gehört ja auch noch dazu. Der prägnante Schnäuzer Kiedis‘, über welchen Flea vor einige Zeit despektierliche Äußerungen parat hatte: „Anthony sieht jetzt aus wie ein mexikanischer Pornostar“, mokierte er sich über den Oberlippenbart, als sein Bandkumpel vor einigen Jahren den Schnorres erstmals der Öffentlichkeit vorstellte. O.k. – fieser Schnäuzer ist noch da, der Spott ist vergangen. Jetzt geht es wieder ausschließlich um die Musik. Von dieser haben Flea, Kiedis sowie Drummer Chad Smith und Gitarrist Josh Klinghoffer einiges in die Lanxess-Arena mitgebracht. In überschaubarer Menge zwar – nach einer Stunde und vierzig Minuten ist’s vorbei mit dem Auftritt der weltweit bekanntesten Funk-Rock-Pop-Truppe – doch begleitet von ganz ordentlichem optischen Drumherum.

Schauen und staunen

Hunderte Leuchtstäbe, einzeln aufgehängt, fahren herab von der Decke, sausen wieder hinauf, bilden sich bewegende Lichtelemente. Die Wellen, Quadrate, Ovale – horizontal und vertikal beweglich – bringen unglaublich viel Bewegung mitten hinein in den freien Raum des Henkelmännchens. Rot und Blau sind die beherrschenden Farben, ab und an taucht Gelb und Grün auf. Die Bühne selbst ist hell ausgeleuchtet, meist in weiß gehalten. Was da über der Bühne und über den Köpfen der Zuschauer im Innenraum an Bewegung ist, das mache einen Staunen. Auf den Videowänden im Bühnenhintergrund mischen sich die Bewegtbilder der Musiker in Fehlfarben mit geometrischen Elementen. Ein Hauch psychedelischer Effekte will die Sinne ein bisschen verwirren.

Musikalisch haben sich die Peppers auf ihre gemeinhin als große Hits titulierte Songs eingenordert: „Dani California“, „Californication“, „The Zephyr Song“ oder „By the Way“ – das kennt das Publikum zwar in- und auswendig, will es aber hören und fährt begeistert darauf ab. Erstaunlich dann doch: „Under the Bridge“ steht an diesem Abend nicht auf der Setlist, welche die Band vor jedem Konzert neu schreibt. Na ja, dafür gibt es reichlich Lieder von „The Getaway“ – und die Livequalität des neuen Songmaterial interessiert ja nun wirklich. Wenig funkrockig Knackiges und schwerer Verdauliches ist zu hören, RHCP 2016 sind eben weitaus eingängiger, als sie es früher waren. Mit schräger Musik sind halt 16.000 Fans, wie sie die Arena bevölkern, schwerer zusammenzukriegen.

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Wenn es musikalisch kracht im Gebälk

Musikalisch interessant wird es immer dann, wenn sich Flea und Klinghoffer kleine Duelle mit Gitarre und Bass liefern, begleitet vom satten und variablen Rhythmus Smiths. Dann kracht es im musikalische gefestigten Gebälk des Abends. Dann knallt er mächtig durch, der derbe-funkige Sound mit Rockattitüde, welcher den RHCP einst den Stempel der Unverkennbarkeit aufdrückte. Und dann packt es auch Kiedis, der sich meist am Mikrofon festklammert: schnell lässt er Mikroständer Mikroständer sein und springt wie eine wildgewordene Marionette zu den Jamattacken seiner Bandkumpels über die Bühne. Das feiert das Publikum ebenso frenetisch wie die großen und bekannten Hits der Peppers. (Fotos: Helmut Löwe)

Setlist

Around the World
Dani California
The Zephyr Song
Dark Necessities
Hey
Right on Time
Go Robot
Californication
Detroit
Sir Psycho Sexy
Did I Let You Know
Goodbye Angels
Soul to Squeeze
By the Way
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Dreams of a Samurai
Give It Away

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