Bullet Height und „No Atonement“: dark, elektrisch und mit Industrialwumms

Ein Debütalbum wie für die Musikliebhaber aus der Schwarzen Szene gemacht: das ist „No Atonement“ des Duos Bullet Height. Auf der Scheibe vermischen der frühere Pure-Reason-Revolution-Musiker Jon Courtney und IAMX-Mitglied Sammi Doll Elektorock, Industrial und Darkelektro mit Popelementen. Das ganze entpuppt sich dann als ausgewogene Genremixtur mit ausreichend Härte, welche Rocker goutieren, und genau so viel poppiger Melodie, dass Hörer mit weniger Schmacht auf Gebrettere nicht verschreckt werden.

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Der Einstieg mit „Fight Song“ ist durchaus eine heftige Angelegenheit: Gitarren riffen deftig drauflos, die digitalen Rhythmen und analogen Drums reißen mit.  Der Gesang, sowohl auf diesem Song als auch auf den anderen, wird schön zweistimmig durch die digitale Welt gejagt. Hin und wieder setzen Sammi und Jon individuelle Stimmintonationen. „Wild Worlds“ schlägt ein vermeintlich sanfteres Kapitel auf: Klaviertasten säuseln zu Beginn leicht auf – der erste Eindruck, man hörte Unheiligs „Geboren um zu leben“ verfliegt glücklicherweise sehr, sehr schnell – später gesellt sich  Industrialrockpoppiges dazu.

Alles, was einen beliebten, dunklen Elektroporocker ausmacht

Balladesk wird es zum Beispiel, wenn „Cadence“ einsetzt. Hat das wohl Depeche-Mode-Charakter? Wenigstens zu Beginn? Durchaus, auch wenn sich der Song dynamisch sehr steigert – Metaller sprächen hier wohl von Powerballade. „Fever“ schlägt in eine ähnliche Kerbe, hier bekommt Sammi mal reichlich Gelegenheit, ihre Stimme pointiert einzusetzen. „Break our Hearts down“ kontert mit allem, was einen beliebten, dunklen Elektroporocker ausmacht: Gitarrenelemente, schönen Gesang, sehr melodischen und einschmeichelnden Klavierlauf. Wäre durchaus etwas für die alternativen Charts.

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Die gelungene Verquickung von treibenden Rhythmen mit Gitarrengewitter und langsam-sanften Melodieläufen ist sowohl Vorteil als auch leider Nachteil mancher Lieder. Deutlich zu wenig, um bloßen Darkpop abzuliefern, auf der einen Seite, genau so viel Chartattitüde, dass Hörer nicht verunsichert werden, führt das Album hin und wieder zum Ritt auf dem allzu sicheren Mittelweg. Dabei hauen Jon und Sammi doch ganz oft richtig Schönes raus. So viel, dass dies „No Atonement“ alles in allem zu einem gerne gehörten Debütalbum gereicht. Sehr viel mehr Licht als Schatten in jedem Fall. Eine Sühne (Atonement) ist das Kaufen und Hören keinesfalls wert. (Foto: Valquire Veljkovic)

Anspieltipps: Fight Song, Intravenous, No Atonement

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