Lysistrata, Breathe in-Out, Cover

Lysistrata und deren böses „Breathe In/Out“

Kann ein Album und dessen Songs „kathartische Erlösung“ bringen, seiner „eigenen paranoiden Agenda“ folgen oder gar „kaleidoskopische Kultiviertheit“ an den Tag legen? Wenn man dem Waschzettel zu „Breathe In/Out“ von Lysistrata glauben soll, dann ist dies so. Oder man glaubt dem nicht, glaubt einfach, dass dort ein Akademiker einen seltsamen, kaum zu verstehenden Text geschrieben hat und stellt dann fest, dass einem beim Hören ganz schön wüster Noiserock, Post-Hardcore und Post-Punk um die Ohren bläst.

Diese wüste und böse Musik Lysistratas, die dort aus den Boxen schwappt, ist keine wüste und böse Musik aus dem englischsprachigen Raum, wie manch einer vermuten würde. Das grobe Zeug kommt nämlich aus Frankreich, und zwar aus der Stadt Saintes, die in einer Region liegt, die eher durch feines Leben und feine kulinarische Genüsse denn durch kantige Musik bekannt ist. Das, was Sänger und Gitarrist Théo Guéneau, Bassist Max Roy und Schlagzeuger Ben Amos Cooper raushauen, schließt sich fast nahtlos an das Vorgängeralbum „The Thread“ an, klingt allerdings wütender als jenes.

Tief durchatmen ist angesagt

LysistrataDass man beim Hören von „Breathe In/Out“ durchaus tief durchatmen muss, wird von Anfang an klar: der Opener „Different Creatures“ geht gleich mal in die Vollen und vermischt gemäßigten Post-Punk mit derbem Noiserock. Schrappt zum Ende hin an Hardcore mit Screamovocals und einem Hauch Atonalität vorbei. Das mit den schrägen Tönen setzt sich in „Death by Embarassement“ fort – auch wenn man nicht gleich tot umfällt. In die Kurve hin zu melodisch-ruhig-gemäßigten Klängen aus dem Popuniversum gehen Lysistrata auch im Folgenden nicht, selbt wenn sie auf „Scissors“ den Beschleunigungsstreifen etwas verlassen.

Die volle Packung Getöse im Lysistratakosmos gibt einem „Boot on a Thistle“, einschließlich Rückkopplung, repetitives Drumming und Gitarrengeschrubbe und einem sich exorbitant böse artikulierenden Guéneau. Da ist man ganz froh, dass einen das anschließende „Mourn“ ein klein wenig runterbringt. Zum Ende gönnen und Lysistrata dann noch etwas ganz schwere Kost, wenn sich „Middle of March“ abwechslend mit Spoken Word, balladeskem Instumental und garstigem Geschrammel ins Gehör bohrt. Interessanter, aber keineswegs leichter Musikgenuss wartet mit einem bösen „Breathe In/Out“ auf den Hörer.

Lysistratas „Breathe In/Out“ hat neun Songs und eine Laufzeit von 50:09 Minuten. Das Album erscheint auf dem Label Grand Hotel van Cleef (VÖ: 18.10.) und wird vertrieben von Indigo. Live gibt es die Franzosen auch: Im Spätherbst und Winter 2019 geben Lysistrata vorwiegend in Frankreich Konzerte, im Frühjahr 2020 macht die Band einen umfangreichen Abstecher nach Deutschland, 14 Auftritte sind geplant. (Foto: Max Chill)

Anspieltipps: Scissors, Mourn, Everyone out

www.facebook.com/lysistratatheband

Lysistrata im Frühjahr 2020 live in Deutschland

18.03. – Nürnberg, Club Stereo
19.03. – München, Milla
20.03. – Schorndorf, Manufaktur
21.03. – Würzburg, Keller Z87
22.03. – Trier, Lucky Luke
24.03. – Wiesbaden, Schlachthof
25.03. – Köln, Bumann & Sohn
26.03. – Dortmund, FZW
27.03. – Hamburg, Molotow
28.03. – Berlin, Cassiopeia
29.03. – Dresden, Groovestation
31.03. – Hannover, Lux
01.04. – Bremen, Lagerhaus
02.04. – Münster, Gleis22