Grusel ist anders – bleicher Marilyn Manson bleibt blass

In einer aufwändigen Selbstinszenierung ließ sich der „Meister des schlechten Geschmacks“ am Donnerstag im Kölner Palladium huldigen. Doch Marilyn Manson blieb trotz mächtigen Sounds und gelungenen Lichteinsatzes eher blass.

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Gut – seine wilden Zeiten als von den Medien titulierter „Schockrocker“ sind vorbei. Aber auch sonst umgibt Marilyn Manson nur noch wenig außergewöhnlich gruseliges, das wurde bei seinem Konzert am 19. November im Kölner Palladium mehr als deutlich: Brian Hugh Warner stand einmal mehr als Meister der Selbstinszenierung auf der Bühne, der sich sein Bühnenkunstwerk von industrialnahen und schweren Rocksounds untermalen lässt. Und das war’s auch schon in großen Teilen.

Dass die Hochzeit Mansons offensichtlich vorüber ist, mag man daran ermessen, dass die 4.000 Zuschauer fassende Konzerthalle nur gut zur Hälfte gefüllt ist. Was grundsätzlich nicht unbedingt heißen muss, dass die Stimmung nicht gut werden kann. Doch diesmal bleibt ein Höllenfeuer aus, stattdessen kocht ein heißes Süppchen vor sich hin. Sicher, sein extravagantes Bühnenauftreten macht Manson so schnell keiner nach, sein Spiel mit ach so böse verschrieener Nazisymbolik – hier ein Wehrmachtshelm, da stilisierte Hakenkreuze – ist immer noch provokant. Doch sehr viel mehr kommt am Donnerstag nicht rüber.

marilynmanson_highend_180Eingetaucht in eine Szenerie aus Nebelmassen, die Schlagzeuger und Keyboarder weitgehend nur erahnen lassen, stakst, schreitet und poltert der Magier des schlechten Geschmacks über die Bühne. Seine Wechsel zwischen Gesang, heiserem Grollen und furchterregenden Schreien verleihen den Songs durchaus Außergewöhnliches. Und die Musiker, unter ihnen Bassist Twiggy Ramirez, der nach jahrelanger Abwesenheit wieder in den Schoß der Band zurückkehrte, liefern musikalisch Einwandfreies. Manson packt Songs aus der Mottenkiste wie „The Dope Show“ oder „The Beautiful People“ ebenso aus, wie Material vom neuen Album „The High End of Low“: „Pretty As A ($)“ und „We’re From America“ werden machtvoll intoniert.

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Dennoch will der Funke nicht so wirklich überspringen. Zwar ist im Moshpit vor der Bühne viel los, die Fans springen, tauchen kopfüber in die Menge ein, doch in Richtung hinterer Reihen verebbt die Spannung recht schnell – offensichtlich bleibt der Auftritt hinter der Erwartung zurück. Da kann auch die aufwändige Lightshow mit Blitzgewitter, Mansons Handlasern und dem gelungenen Farbenspiel, in das die Bühne abwechselnd getaucht wird, nicht viel ändern. An diesem Abend bleibt der bleichgesichtige Manson im wahrsten Sinne des Wortes blass.

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