No One Is Innocent und ein packendes Konzert in Strasbourg

So richtig wahrgenommen werden französische Bands in Deutschland ja eher nicht. Nun gut, Ausnahmen der Popszene wie Daft Punk, Zaz, Jean Michel Jarre oder David Guetta (ja, der DJ ist Franzose) gibt es in der Tat. Doch Rockmusik aus Frankreich fristet eher ein Schattendasein in der Republik – Bands bleiben meist unbeachtet, selbst wenn sie wie Shaka Ponk das Pariser Zenith mit 7.000 Zuschauern dreimal hintereinander ausverkaufen. Und da geht es No One Is Innocent keineswegs anders: Wer nach der Pariser Alternativeband auf deutschen Websites sucht, der sucht nahezu vergebens. Warum dies so ist? Man weiß es nicht – der hauptsächlich französische Gesang von Kémar Gulbenkian kann’s wohl allein nicht sein.

Konzertfotos: No One Is Innocent in Strasbourgs La Laiterie

Denn die Musik, die No One Is Innocent machen, die ist verdammt gut. Musikalisch pendeln die Pariser irgendwo zwischen bluesig angehauchten Hardrock, Alternative Rock, Metal und Crossover, scheren sich mal um tanzbare und rhythmische Elemente, mal um melodisches Vollgas mit Gitarrenattacken. Wer auf Killing Joke, System of a Down oder Rage against the Machine (die werden immer wieder gerne ins Spiel gebracht) steht, der kann mit der Musik von No One Is Innocent durchaus etwas anfangen – wenn er hin und wieder mal auf etwas Härte verzichtet. Ach ja, auch ethnisch liegen die bekannten Amerikaner SOAD und die unbekannten Fanzosen dicht beieinander: Gulbenkian hat armenische Wurzeln.

Hart, energetisch und mitreißend

Live fahren No One Is Innocent einen ziemlich harten, energetischen und mitreißenden Kurs. Davon konnte man sich einmal mehr am 11. Dezember 2015 in Strasbourgs La Laiterie auf dem Konzert während der Tour zum neuen und sechsten Album „Propaganda“ überzeugen. Anderthalb Stunden lang gaben Gulbenkian, die beiden Gitarristen François „Shanka“ Maigret und Popy, Bassist Bertrand Dessoliers und Drummer Gael Chosson aber mal so richtig Vollgas.

Dabei fing alles so ruhig an: Shanka nahm sich einen Moment und hielt eine kurze Rede für Frieden und Freiheit, dass man dem Terrorismus die Stirn böte. Passend zu den politisch ambitionierten und oft höchst sozialkritischen Texten Gulbenkians. Wo sich No One Is Innocent politisch einordnen, wurde allzuschnell in den lautstarken Seitenhieben auf Marine Le Pen und den rechten Front National deutlich. Nicht nur von der Bühne herab, auch  aus dem Publikum heraus: für einen Aufruf zur Demo gegen den FN gab Gulbenkian gerne sein Mikro her.

Konzertfotos: No One Is Innocent in Strasbourgs La Laiterie

Nicht nur politisch herrschte Einigkeit und Austausch zwischen Band und den gut 600 Fans: Mehrmals machte der Frontmann einen Ausflug mitten hinein in die pogende Menge, die Musiker stoben auf der Bühne mit solcher Energie umher, dass so mancher Rempler nicht ausblieb. Eine verdammt ungewohnte und faszinierende Szenerie zum Schluss hin, als etwa 50 Fans die Bühne enterten und zusammen mit den Musikern ein Konzert aber mal so richtig intensiv und nah an den musikalischen Protagonisten feierten. So was hat man ja nun wirklich selten – wenige Musiker nur nehmen da blaue Flecken in Kauf. Hut ab vor so viel Publikumsnähe und einem packenden Konzert mit ordentlich Schmackes. (Fotos: Helmut Löwe)

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