Steel Panther servieren Glam-Metal mit Schweinereien

Wenn ein Konzert Steel Panthers ein Film wäre, dann stände er in einer Videothek in der Erwachsenenabteilung, nur für über 18-Jährige, ganz weit weg von Kinderhänden. Denn beim Auftritt der amerikanischen Glam-Metaller hagelt es Obszönitäten, Anzüglichkeiten und unsittliche Gesten nur so herab von der Bühne. Das war in der Live Music Hall am Samstagabend, den 3. November, nicht anders.

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Musikalisch orientieren sich Sänger Michael Starr, Gitarrist Satchel, Bassist Lexxi Foxx und Drummer Stix Zadinia am Sound der Glam-Metal-Heroen der 80er Jahre, Mötley Crüe, Cinderella oder Poison. Modisch ebenso, spielen Netzhemden, Spandexhosen, Glitzerfummel und Neonfarben samt langer Haare und Stirnbänder eine wichtige Rolle. Textlich aber hauen Steel Panther eins, zwei, nein, viele Schippen drauf auf die party- und girlslastigen Liedinhalte der Vorgänger. Sowohl in den Songs selbst als auch während der reichlichen Bühnenplauderei zwischen den Protagonisten.

Männlichkeitsgehabe par excellence

Dass es bei Steel Panther vorrangig darum geht, möglichst viele Mädchen flachzulegen, egal in welcher Art und Weise auch immer, das hat man als Zuschauer nach spätestens zwei oder drei Titeln heraus. Die explizite Verwendung von Frivolitäten, die Anhäufung von Zoten und Obszönitäten, das Auslassen keines wie auch immer gearteten Klischees des Frauenhelden wird von Starr und seinen Kumpels in nahezu perfekter Art auf die Spitze getrieben. Welche Schimpfwörter das Quartett auch immer hinausschleudert, man kann ihm keinesfalls böse sein, vielmehr muss man über solch geballtes Männlichkeitsgehabe immer und immer wieder lachen.

Dies tun aber offensichtlich wohl nur die Fans Steel Panthers, nicht die Offiziellen in Deutschland: Die Bundesprüfstelle für jugendgefährdende Medien hat das zweite Album der US-Metaller namens „Balls Out“ auf den Index gesetzt, der Verkauf an unter 18-Jährige ist untersagt. Offenbar haben die Sittenwächter die Absurdität der Steel-Panther-Texte, die Ironie und der Sarkasmus der lyrischen Ergüsse der Band nicht als solche gesehen, sondern den sexuellen Inhalt für bare Münze genommen. Glück für die Zensoren, denn sollte jemand Steel Panther nicht ernst nehmen, als Parodie abtun, dann nämlich bekäme er es mit der Band zu tun, so Satchel zu Electrictunes. Und wie so etwas bei den schlimmen Fingern aussähe, das kann man sich nur zu gut vorstellen.

Bühnenferkel und ausgezeichnete Musiker

Der ausverkauften Halle in Ehrenfeld war es aber egal, welchen Wahnwitz Steel Panther auch immer verzapften, sie feierte die Musiker mit gereckten Händen, viel Applaus und Gegröhle. Viele der Besucher hatten sich selbst in Spandexhosen mit Tigermuster, Langhaarperücken und Neon-Glitzerkram gepackt, um ihren Lieblingen zu huldigen. Aus musikalischer Sicht war Huldigung auch durchaus angesagt, standen dort auf der Bühne handwerklich sehr versierte Künstler, die sich hinter anderen Musikern absolut nicht zu verstecken brauchen, Eine gekonnte Leistung des Tontechnikers, der der Halle zu einem ungeahnt guten Sound verhalf, rundete das über eineinhalbstündige  Glam-, Hair- und Poser-Metal-Spektakel ab.

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Dass Steel Panther keineswegs die wilden, sexbesessenen, bösen Buben sind, attestierte auch Brittany Paige, stimmgewaltige Sängerin von Kobra and The Lotus, die im Vorprogramm auftraten. Starr und Kumpels seien tolle und unheimlich nette Typen, so Paige im Gespräch mit Electrictunes nach ihrem Auftritt. Und wenn so etwas eine Frau sagt, die mit ihrer Attraktivität und ihren langen blonden Haaren voll und ganz das „Beuteschema“ von Steel Panther abdeckt, dann darf man das sicherlich glauben. (Fotos: Helmut Löwe)

Setlist Steel Panther

Intro
– Supersonic Sex Machine
– Tomorrow Night
– Fat Girl
– Asian Hooker
– Just Like Tiger Woods
– Let Me Come In
– If You Really Really Love Me
Guitar Solo
– Turn Out The Lights
– The Shocker
– I Won’t Suck Itself
– Girl From Oklahoma
– Party All Day
– Death To All But Metal
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– Community Property
– Eyes Of A Panther
– 17 Girls In A Row