Lemmy und Motörhead: laut, rauh und unkaputtbar

Etwa 6.500 Fans lauter, harter Musik sind zur Mitsubishi-Electric-Halle in Düsseldorf gepilgert. Als erstes der Musik wegen, als zweites dann wohl, um eine echte Rockikone nach schwerer Krankheit wieder in Aktion zu sehen und hören: Am 12. November 2014 stehen Motörhead und mit ihnen der Frontmann Lemmy auf der Bühne. „Der alte Knacker, wer weiß, ob der nochmal wieder kommt?“, so fragen sich einige kuttenbehangene Metalfans etwas despektierlich, nachdem Lemmy wegen Kreislauf- und Herzproblemen zuvor eine längere Auszeit nehmen musste. Und seine angeschlagene Gesundheit – ihm wurde ein Defibrillator eigesetzt – merkt man ihm durchaus an.

Konzertfotos: Motörhead in der Düsseldorfer Mitsubishi-Electric-Halle

Denn müde sieht er aus, das Gesicht wirkt eingefallen, die Augen blicken trübe. Doch sein gesundheitlicher Zustand, der in den vergangenen zwei Jahren arg litt, hindert Ian Fraser Kilmister, kurz Lemmy genannt, nicht daran, zusammen mit Motörhead in der Landeshauptstadt NRWs ordentlich Gas zu geben. Die Wintertour 2013 wurde erst verschoben, dann abgesagt – Lemmys Krankheit wegen -, doch gehen er und seine beiden Kumpels Phil Campbell an der Gitarre und Mikkey Dee am Schlagzeug nun die Konzertreise erneut an. Und das Publikum in der Halle dankt es ihnen, feiert „seinen“ Lemmy, „seine“ lebende Rocklegende Motörhead.

Mit ordentlich Schmackes geht es auf die Konzertpiste

Mit ordentlich Schmackes startet das laute Triumvirat den mit nicht mal 80 Minuten selbst für Motörheadverhältnisse eher kurzen Auftritt. „Shoot you in the Back“, „Damage Case“ – das wird selten gespielt, geht ab wie ein Formel-Eins-Wagen. Bei so etwas sind die Zuschauer flugs bester Laune, lassen sich von den metallischen Rock’n’Rollern, die die Bands rausdonnert, anstecken und mitreißen. Bierbecher fliegen durch die Gegend, es wird ein „Motörhead“ nach dem anderen skandiert.; so und nicht anders ist ein Rockkonzert.

Allerdings wird schnell deutlich, dass Lemmys eher bescheidene Stimme diesen Abend nicht so ganz auf der Höhe ist: irgendwie heiserer als sonst hört sich sein Gesang an, es scheint, als hätte der 68-Jährige Mühe, sich durch die Songs zu kämpfen. Die von Lemmy gegrummelt-gesungenen Worte „‚cause I swear I’m sick and tired“ vom Song „Lost Woman Blues“ wirken deutlich echter und bedeutungsvoller als früher. Aber egal, wer fragt schon bei infernalischem Motörheadlärm – und es ist wirklich ziemlich laut – schon nach glasklarem Gesang, den wollen echte Rocker sowieso nicht haben.

So etwas vergisst man nicht

Der Bass, den Lemmy auf so unnachahmliche Weise spielt, wummert wie eh und je – auch wenn das bekannt-berühmte und prägnante Bassintro von „Ace of Spades“ nicht sitzt. Ach ja, seinen Humor hat der Frontmann auch nicht verloren: „ha, made it“, rutscht es ihm grinsend nach „Do you believe“ vom jüngsten Album „Aftershock“ heraus. Seine beiden Kumpels haben absolut nichts von ihrer Bühnenpräsenz verloren: Phil schlurft und tigert hin und her über die Bühne, schüttelt Gitarrenriffs und bluesige Soli aus dem Ärmel. Und Mikkey arbeitet wie ein vielarmiges Tier hinter seinem Schlagzeug; nur blonde Mähne und wirbelnde Arme sind zu entdecken, er reißt mit unglaublicher Wucht die gesamte Halle mit.

Konzertfotos: Motörhead in der Düsseldorfer Mitsubishi-Electric-Halle

Zum Ende hin ist es egal, ob Lemmy in Topform ist oder nicht: Der Auftritt, den Motörhead abliefern, wird zwar nicht in die Geschichte großer Konzerte eingehen, doch man ist einfach baff, dass den alten Haudegen, der am Heiligen Abend 69 Jahre alt wird, einfach nichts aus der Bahn zu werfen scheint. „Dont’t forget us – we’re Motörhead and we play Rock’n’Roll“, sagt er zum Schluss – nein, Lemmy, wir werden dich und deine Band wirklich nicht vergessen. Dafür sind Motörhead einfach zu außergewöhnlich, unverwüstlich und einflussreich in der Welt der Musik, die so viel Austauschbares produziert. Motörhead, die Unkaputtbaren, so würde ein Werber womöglich sagen… (Fotos: Helmut Löwe)

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