Linkin Park machen in Köln fette Beute

Drei Bands sind’s, die das Rockgenre „Nu Metal“ an den Start brachten, hoffähig machten, indem sie klassischen Heavy Metal mit anderen Musikrichtungen paarten: Korn als die knallharten und wüsten, die mächtig vom Leder ziehen und ordentlich drauflosbrettern. Limp Bizkit, die sich ganz gitarrenlastig und rau nah an den eher gitarrenfernen derben Rap und Hiphop bewegen. Und zu guter Letzt Linkin Park, welche  gerne mal auf sanftere und melodischere Klänge zurückgreifen, sich nicht davor fürchten, dass Kritiker sie in die Nachbarschaft von Stadionrockern positionieren. Und welche genau damit ganz oben auf dem Rockerfolg schwimmen.

Konzertfotos: Linkin Park in der Kölner Lanxess-Arena

Korn und Limp Bizkit haben keine Schwierigkeiten, das Kölner Palladium mit 4.000 Zuschauern zu füllen. Solche Zahlen sind für Linkin-Park-Frontmann Chester Bennington und seine Kumpels Peanuts: Wenn Linkin Park auftreten, muss die Arena her, die Platz für mehr als viermal so viele Fans bietet. Denn genau in jener machten Linkin Park auf ihrer Tour zum aktuellen und äußerst erfolgreichen Album „The Hunting Party“ am Donnerstagabend, den 6. November 2014, auch halt, ließen ihrer Mischung aus Metal, Rock, Rap, Pop, DJ-Set und ganz viel keyboard- und synthesizerschweren Einflüssen samt gigantischer Show freien und lautstarken Lauf. Und schwupp kamen 16.000 Fans zusammen, tanzten, reckten die Hände und Fäuste gen Bühne, sangen hingebungsvoll mit und verhalfen der Jagdgesellschaft so zu einem über eindreiviertelstunden andauernden Erfolg.

Von tausenden Smartphones konserviert

Bennington und seine fünf Mitmusiker – allen voran Keyboarder, Gitarrist und Rapper Mike Shinoda – lieferten weitaus mehr als eine launige Jagdgesellschaft, sie machten fette Beute: Linkin Park setzten an zu einem musikalischen Parforceritt quer durch die Bandhistorie. Mit Songs in ungewohnter Version, versehen mit Versatzstücken anderer Titel. Langeweile oder das profane Abspulen von Hits, derer es in der Bandhistorie reichlich gibt, waren da ganz weit entfernt. Die krachige Metalgitarre hatte Platz neben sanftem Klavierspiel, Breakbeats und Scratching aus der Hand Joe Hahns ließen Nu Metal minutenlang beiseite. Das Ganze dann noch gepaart mit einem fast schon aufreizend-spektakulären Video- und Lichtspektakel und ordentlichem Sound ließen den Konzertabend für die Arena zu einem nahezu perfekten Erlebnis werden. Zu einem Erlebnis, welches tausende Smartphones konservierten, bei manchen Pärchen sogar im Doppelpack.

Konzertfotos: Linkin Park in der Kölner Lanxess-Arena

Kein Smartphoneeinsatz dagegen bei jenen bemitleidenswerten Geschöpfen, die rechts und links versetzt auf Höhe der Bühne und sogar dahinter Platz gefunden hatten. Da zeigte sich Bennington doch sehr mitfühlend: „Ihr seid ja wirklich bestraft. Ich hoffe, ihr seid dennoch gut drauf“, rief er den optisch beeinträchtigten Zuschauern zu. In den Genuß immerwährenden Abklatschens mit Bennington und Shinoda kamen sie zwar nicht, da musste sich der Fan schon bis an den kurzen Laufsteg durchkämpfen, aber in den einer mit Überhits wie „New Divide“ oder „What I’ve done“ (die Youtubevideos beider kommen zusammen auf über 280 Millionen Views) gespickten Zugabe. Ein Konzert ging so mit einem wirklichen Höhepunkt zu Ende, ein satter Blattschuss. Benningtons Frage am Schluss, ob auch alle Spaß gehabt hätten, erübrigte sich da schon fast. (Fotos: Helmut Löwe)