Tremonti, „Cauterize“ und die fliegenden Affen

Man schiebt die CD ins Laufwerk, der Silberling fängt an zu rotieren – und wenige Sekunden später donnert einem im Opener „Radical Change“ knallharter Thrashmetal entgegen. Wow, so was hat man von Mark Tremonti nun wirklich nicht erwartet: Auf der zweiten Scheibe seiner Band Tremonti legt der Alter-Bridge-Gitarrist, der hier auch singt, ganz schön mit Volldampf los. „Cauterize“ macht dort weiter, wo die Debütscheibe „All I Was“ aufhörte, ist nur ein wenig härter, kraftvoller. Auf sehr viel Melodie aber verzichtet „Cauterize“ genausowenig wie der Vorgänger.

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Auch wenn’s deftiger zur Sache geht, der erste Titel „Radical Change“ heißt: einen radikalen musikalischen Wechsel wollte Tremonti – der sich als Komponist und Texter von seinen Mitmusikern Gitarrist Eric Friedman, Drummer Garrett Whitlock und Bassist Wolfgang Van Halen nur marginal in seinen Songoutput reinreden lässt, mit dem neuen Album aber keineswegs vollziehen. Nun gut, die neue Platte sei zwar durchaus etwas härter als das Debüt geworden, gibt Tremonti im Interview mit Electrictunes zu. Doch dies liege daran, dass „Songs wie ‚Wish you well‘ oder ‚Brains‘ [vom Album „All I was“; d. Red.] sich als jene herausstellten, die live am besten ankamen. Auch bei uns. Deswegen waren die ersten acht der neu komponierten Lieder auch ziemlich heavy“.

Der Zauberer von Oz als Namensgeber

Kaum ein Hörer wird bei „Flying Monkeys“, einem manchmal recht doomig angehauchten Titel, wohl an den Zauberer von Oz denken. Doch genau mit diesem, dem Film von 1939 mit Judy Garland in der Hauprolle, hat der Song zu tun. Genauer gesagt, das tonangebende Gitarrenriff: Schon vor Jahren hatte Tremonti jenes Riff im Repertoire seines Soundchecks. „Irgendwann sagte der Drumtechniker zu mir, dass ihn das Riff an den Marsch der fliegenden Affen aus dem Film ‚The Wizard of Oz‘ erinnere. Und auch Jahre später nannte ich es noch das Flying-Monkeys-Riff. Daher hat der Song seinen Namen“, plaudert Tremonti aus dem Nähkästchen.

Der Titel „Cauterize“ zum Beispiel handelt laut Tremonti von scheinbar grenzenloser Macht und Korruption. „Man wacht auf, sieht im Fernsehen die Krisen im Irak, Iran, Nordkorea, sieht, dass Tyrannen die Länder in den Ruin wirtschaften, das Volk unterdrücken, bis dieses aber irgendwann zurückschlägt.“ Sein Favorit – aus seiner Sicht als Texter – ist „Dark Trip“: Der fünfte Titel des Albums ist ein Lied voller persönlicher Emotionen, welche Tremonti arg mitnahmen. Es handelt von einem sehr, sehr guten und Freund, von dem er nach langen Jahren der Freundschaft betrogen wurde – Hals über Kopf. „Du hast an meinem Leben teilgenommen, ich sorgte mich um dich – wie konntest du das tun?“, so beschreibt Tremonti in wenigen Worten, worum es im Lied geht.

Nur heavy? Dann fehlt die Dynamik!

Dass „Cauterize“ zum Schluss hin mit „Sympathy“ und „Providence“, deutlich sanfter, melodiöser wird, kommt nicht von irgendwoher. Tremonti erklärt die Songabfolge so: „Ich wollte der Platte eine bestimmte Richtung geben, und so, wie die Songs jetzt angeordnet sind, fand ich es am besten. Und auch vermeintlich leichtere Titel müssen auf einem Album sein – wenn die komplette Scheibe nur heavy ist, fehlt einfach die Dynamik. Der Song „Providence“ hat für mich einen epischen Charakter, ursprünglich sollte die ganze Platte sogar „Providence“ heißen.“

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Die Platte „Cauterize“ als solche ist Teil eines Doppelschlags: Tremonti schrieb 24 Songs fürs Studio, von denen letztlich 20 aufgenommen wurden. Das ist eine Menge Songmaterial, sodass er entschied, daraus nicht ein einziges und sehr langes Album zu stricken, sondern die Menge an Titeln auf zwei Scheiben zu veröffentlichen. „Wenn Du so viele Lieder auf einmal herausbringst, fühlen sich viele Hörer überrollt. Auch mir ginge es so – 20 neue Songs auf einen Schlag, das wäre mir ja selbst bei meiner Lieblingsband zuviel des Guten; das könnte ich kaum verdauen“. Deswegen ist schon jetzt klar, dass auf „Cauterize“ in absehbarer Zeit ein weiteres Album folgt – „Dust“ heißt die Scheibe -, deren genauer Veröffentlichungstermin jedoch noch nicht festliegt. (Fotos: Helmut Löwe)

„Cauterize“ von Tremonti – Veröffentlichungsdatum ist der 5. Juni – hat zehn Songs und eine Laufzeit von 44:04 Minuten, Die Platte ist erschienen auf dem Label Fret 12 Records.

Anspieltipps: Radical Change, Dark Trip, Another Heart

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