Manowar lärmen gegen „Wimps and Pussies“

manowar100131_0361_hl_165x250Sie sind die letzten Helden im sturmumtosten und rauen Metaluniversum. Ihre Waffen im Kampf gegen „Wimps und Pussies“, Weicheier und Schlappschwänze, sind Bass, Gitarre, Schlagzeug und eine durchdringende Stimme. Ihr Kriegsgerät sind Verstärker und Lautsprechertürme: Die Heavy-Metal-Recken, von denen die Rede ist, sind Manowar, gemeinhin auch bekannt als lauteste Band der Welt. Der Rockvierer packte im Januar seine dezibelgewaltigen Waffen aus und zog auf seine „Death To Infidels (Tod den Ungläubigen)“-Tour quer durch Deutschland. Eine lautstarke Schlacht im Kölner Palladium gehörte am 31. Januar dazu und zog gut 3.000 Getreue an. Und das, was Manowar ihren Fans boten, war trotz des happigen Eintrittspreises weit jenseits der 60 Euro gar nicht mal so schlecht.

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Tja, den Musikern um Bassist und Bandkopf Joey DeMaio wird häufig Posertum vorgeworfen, von übertriebenem Männlichkeitswahn und Bühnenpopanz ist die Rede, manche Postillen, wie die Münchner Abendzeitung, sprechen sogar von Kasperltheater nahe dran an der Geschmacksverirrung. Und so etwas ist nun wirklich zuviel des Guten. Sicherlich, die Band gebärdet sich in ihrer Lederkleidung und ihrer Gestik ziemlich heroisch, der Auftritt und viele der Bewegungen sind durch und durch choreographiert, und in den Ansprachen propagiert die Truppe das klassisch-klischeehafte „Sex, Bier, Feiern“. Doch zum einen gehört reichlich Show zu einem Manowar-Konzert dazu und zum anderen – dies wird oft unter den Tisch gekehrt – stehen dort absolut fähige Musiker auf der Bühne, das wurde auch im Palladium deutlich.

Fähige Musiker und brüllende Lautstärke

manowar100131_0269_h_250x165Der Gesang Eric Adams war, wie es sich für einen Metalshouter gehört, ziemlich durchdringend, doch Adams kommt auch in den höheren Tonlagen nie in die stimmliche Bredouille. Das Gitarrenspiel Karl Logans war fehlerfrei und seine filigranen Soli blitzschnell und sauber dargebracht. Und die Rhythmussektion mit DeMaio und Donnie Hamzik tat ihr übriges, den qualitativ hochwertigen Eindruck zu untermauern: wohl kaum ein Bassist, der seinem Instrument gekonnt Flamencogitarrenklänge entlockt; selbst, wenn das Solo DeMaios, oder des „Chefs“, wie ihn seine Crew nennt, sich nahe dran an der Selbstinszenierung bewegte.

Hinzu kam eine gewaltige Lautstärke, die wie ein Orkan in Mark und Bein fuhr: Die Doublebassattacke Hamziks wummerte in der Magengegend und die Bassläufe ließen den Bierbecher in der Hand vibrieren. Wer keine Ohrenstöpsel sein eigen nannte, dürfte wohl noch tagelang etwas vom lautstarken Konzert der Amerikaner gehabt haben. Erstaunlich bei dieser aberwitzigen Lautstärke: Anders als sonst an der Tagesordnung, wenn’s mal wieder was lauter in der Konzerthalle wird, war der Sound nahezu perfekt. Egal, in welcher Ecke des Palladiums man sich aufhielt, überall klang’s gleich gut. Selten hat man solche Qualität an Sound in der alten Industriehalle in Köln-Mülheim erlebt. Offenbar hat die Soundprobe vor der Tour in der Einsamkeit des Bergischen Landes (electrictunes berichtete) Früchte getragen.

Schulterschluss mit den Fans

manowar100131_0366_hl_165x250Die Fans selbst waren begeistert, wie üblich auf Manowar-Konzerten. Denn die Band gibt sich sehr fannah: So unterbrach DeMaio das Konzert, um sich raufende Streithähne zu entzweien und für Ordnung im tobenden Moshpit zu sorgen. Gleichzeitig ereiferte sich der selbsternannte „Professor des Rock“ darin, eine ordentliche Lobhudelei auf die Manowar-Fans vom Stapel zu lassen: Als True-Metaller sei man auf dem richtigen Weg, man dürfe sich von „den Idioten da draußen“ nicht ans Bein pinkeln lassen, sondern stolz und aufrecht sein Ding durchziehen. So was kam an bei der feiernden Meute. Und als dann noch Andy aus Dorsten – offenbar keiner jener „Wimps and Pussies“, die laut DeMaio nichts zwischen den Musikern verloren hätten – auf die Bühne geholt wurde, um mit DeMaio und Logan im Wiegeschritt loszurocken, während Mädels obenrum blankziehen, erreichte der Schulterschluss mit dem Publikum seinen Höhepunkt. Die eindreiviertelstündige lautstarke Metalschlacht wurde erfolgreich geschlagen. (Fotos: Helmut Löwe)