Inselaffen, die elfte: New Model Armys gute Tradition

Ein bisschen ist ein Konzert New Model Armys wie eins von Motörhead oder AC/DC. Nein, nicht, weil auch die beiden zweitgenannten schon gut über 30 Jahre existieren. Sondern, weil man bei New Model Army eben auch das live bekommt, was Lemmy, Angus und Co. bei ihren Auftritten zum Besten geben: Immer ein „Best-of“ der viele Studioalben aus der gesamten Schaffenszeit der Band, und darunter gestreut, den ein oder anderen selten gehörten Song. Und so war es auch auf dem Weihnachtskonzert der Nordbriten am 17. Dezember im Kölner Palladium. Mittlerweile das elfte der politisierenden Folk-Rocker aus Bradford in der Domstadt – wenn das mal keine Tradition ist.

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Songs wie „White Coats“, „Vagabonds“ oder “Get me out” standen, wie nicht anders zu erwarten, auf der Setlist – so wie es die Zuhörer lieben, von denen gut 3.000 angereist waren. Und dazu kamen Titel wie „Christian Militia“ vom Debütalbum „Vengeance“ aus dem Jahre 1984 oder „See you in Hell“, welches seinen Weg auf die Compilation „Lost Songs“ von 2002 geschafft hat, auf dem sich bislang unveröffentlichte Lieder und B-Seiten tummeln.

Hadern mit den Inselaffen

Irgendwie war es auch diesmal  keine  große Überraschung, was Justin Sullivan und seine vier Kollegen zur Adventszeit aus dem Army’schen Liederbuch zauberten. Aber das erwartete auch niemand in Anbetracht der Tatsache, dass die ersten Songs des „neuesten“ Albums bereits im Winter 2008 vorgetragen wurden. Denn das, was über gut eindreiviertel Stunden lang aus den Boxen kam, glänzte auch ohne Überraschung. Und das ist ebenso Tradition der Auftritte New Model Armys.

Kaum weniger traditionell, das Hadern Sullivans mit dem Status seines Heimatlandes, dessen Einwohner er immer gerne wieder als „Inselaffen“ bezeichnet. Obwohl sich diese üblicherweise als Schimpfname gebrauchte Vokabel bei ihm einmal mehr nach Neckerei anhörte. Weniger Neckerei, denn vielmehr Kritik aber seine Äußerungen zur Lage der britischen Nation, die sich laut Sullivan mehr und mehr von Europa absondert und sich langsam, aber sicher weiter und weiter Richtung Westen in den Atlantik bewege. Und zu sehr ihr eigenes, nichteuropäisches Süppchen koche.

„Wir waren doch nur eine rauchen“

Musikalisch ging es mit „Whirlwind“ als Opener zwar rasant zur Sache, mit dem folgenden „High“ aber ging das Tempo und der Druck kurzfristig verloren. Zum Glück für die pogende und tanzende Menge nahm das Konzert aber recht schnell wieder Fahrt auf und spätestens mit „No greater Love“ waren Band und auch Fans wieder auf optimaler Betriebstemperatur. Leichtes Erstaunen bei den Zuhörern, als das Quintett nach 75 Minuten und „Wonderful Way to go“ unverhofft und wortlos die Bühne verließ. Lautstarke minutenlange Zugabenrufe waren die Folge, die der zurückkehrende Sullivan jovial kommentierte: „Das ist doch das übliche Spiel – ihr wisst, dass wir weiterspielen, wir wissen, dass wir weiterspielen. Wir waren doch nur eine rauchen“.

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Bei wem da schon Angst aufkam, nicht genug Konzert für sein Eintrittsgeld zu bekommen, der konnte sich alsbald wieder beruhigen: ging doch die Zugabenrunde bis zum gelungenen Abschluss „Green & Grey“ über 40 Minuten. Aller Tradition allerdings zum Trotze: der Überhit „51st State“ stand beim elften Kölner Weihnachtskonzert 2011 nicht auf der Setlist. (Fotos: Helmut Löwe)