Chameleons Vox im Luxor – Verwalter schweren Erbes auf hohem Niveau

Im Kölner Luxor machen sie am 14. Mai 2015 genau das, wovon sie singen: „Share my Nostalgia with you“ lautet eine Textzeile des Chameleons-Liedes „Nostalgia“; auf Deutsch: „Meine Nostalgie mit Dir teilen“. Und ihre Nostalgie teilen Chameleons Vox zum einen mit gut 200 Zuhörern, zum anderen nicht auf die schnelle, gar lieblose Art, sondern auf hohem Niveau – wenn man von der luxortypischen dürftigen Lichtausstattung mal absieht. Schwierig genug das, denn die Nostalgie, die Chameleons Vox teilen müssen, ist die an die Chameleons, wohl eine der einflussreichsten und meistgelobten Bands des Indie-Rocks und Post-Punks der 80er Jahre. Heißgeliebt von Kritikern und Fans, der breiten Masse allerdings weitgehend verborgen.

Konzertfotos: Chameleons Vox im Kölner Luxor

Doch Mark Burgess – einst Frontmann der nicht mehr existenten Chameleons – entpuppt sich mit Chameleons Vox als kompetenter Verwalter des schweren und höchst wertvollen musikalischen Erbes. Zusammen mit den beiden Gitarristen Neil Dwerryhouse und Chris Oliver sowie Schlagzeuger Yves Altana interpretiert Sänger und Bassist Burgess die melancholischen Songs und oft düstere musikalische Stimmung bestens. Nein, keine großen Plaudereien leistet sich Burgess – bis auf wenige Ausnahmen reiht sich fast nahtlos Titel an Titel. Klar, zum Ende hin stellt er seine drei Kollegen namentlich vor, bedankt sich für den schönen Abend. Und muss gar zweimal die lautstarke Forderung der Fans nach dem Song „The Fan and the Bellows“ abwiegeln: „Nein, wir spielen das heute Abend nicht!“ Schade – und auch wer „Don’t Fall“ erwartet hat, muss sich ohne den tollen Titel zufrieden geben.

Deutliche Hinweise auf musikalische Vorlieben

Aber egal, denn das, was Chameleons Vox sonst so auf der Setlist haben, entschädigt voll und ganz: „Swamp Thing“ als Einsteiger macht sofort Laune, „Perfume Garden“ entzückt und mit „Second Skin“ versetzen Chameleons Vox die anwesenden Fans in Begeisterung. Leichtes Aufkommen von Pogo während „Monkeyland“ verwundert zunächst zwar, ist aber ganz klar dem Punkeinfluss der frühen Chameleonstitel geschuldet. Hin und wieder macht Burgess deutlich, welche musikalischen Vorlieben er hat: Textelemente der Beatles streut er in die Lieder ein („All you need is Love“, „All the lonely people“), „White Riot“ von The Clash ist ebenso herauszuhören wie Joy Divisions „Transmission“. Kamen denn diese nicht auch aus Manchester, so wie es The Chameleons taten und Chameleons Vox tun? Ja, genau!

Die gut anderthalb Stunden der Musik Chameleons Vox‘ mit im Gegensatz zum traurigen Licht erstaunlich gutem und klarem Sound darf man getrost als gelungene sentimale Reise in die frühe Zeit des Post-Punks im Gedächtnis behalten. Als Verwaltung eines Erbes auf hohem Niveau. Und als Anregung nehmen, mal wieder öfter Scheiben wie „Script of the Bridge“ oder „What does anything mean? Basically“ ins CD-Laufwerk oder gar auf den Plattenteller des Vinylspielers zu legen. Egal, ob sich die ehemaligen Mitglieder der originalen Chameleons heute in der Wolle haben… (Fotos: Helmut Löwe)

Konzertfotos: Chameleons Vox im Kölner Luxor

Setlist

Swamp Thing
A Person Isn’t Safe Anywhere These Days
Here Today
Perfume Garden
One Flesh
As High As You Can Go
Caution
Monkeyland
In Answer
Soul In Isolation
Singing Rule Britannia
Second Skin
———-
Up The Down Escalator
Return of the Roughnecks
View From A Hill

www.chameleonsv.com

www.facebook.com/Chameleonsvox