Thin Lizzy legen überzeugenden Auftritt hin

thinlizzy110213_0606_165x250Mit ihrem Opener machten Thin Lizzy sofort klar, wo der Hase am Sonntagabend langläuft: „Are you ready to rock? Are you ready to rip it up?“ Von da ab zeigte die Rocklegende aus Irland den etwa 1.300 Zuschauern, wie sich Musik anhört, wenn sie von den richtigen Leuten gemacht wird. Und genau diese Leute, sechs an der Zahl, hatten sich am 13. Februar auf der Bühne der Live Music Hall eingefunden, eine Lehrstunde in Sachen Rock zu geben.

Die Fotos vom Thin-Lizzy-Konzert

Erst vor kurzem hatte Lizzy-Veteran und Gitarrenvirtuose Scott Gorham fünf musikalische Protagonisten, darunter Thin-Lizzy-Gründungsmitglied Brian Downey, um sich geschart: Zusammen mit dem früheren Thin-Lizzy-Keyboarder Darren Wharton, Ricky Warwick (Gesang), Vivian Campbell (Gitarre) und Marco Mendoza (Bass), allesamt Könner ihres Fachs, ging Gorham daran, dem legendären Frontmann Phil Lynott auf einer Tour anlässlich dessen 25. Todestages zu huldigen. Tja – und schon war man on the Road.

Eine zweiköpfige Gitarrenarmee

thinlizzy110213_0539_250Die sechs Musiker füllten die Bühne der alten Ehrenfelder Industriehalle beileibe nicht nur in Persona aus: Wie eine breite Wand kam der Sound, den die Band mit ihren beiden Meistern an den Gitarren produzierte, über die Fans gebraust. Vor dem Bandlogo im Glitzerlook, das von Lichteffekten umhuscht wurde, zeigten Gorham und Kollegen, dass sie in nahezu allen Spielarten des Rock beheimatet und firm sind. Ob Bluesrock, treibender Rock’n’Roll oder schwergewichtiger Hardrock – Thin Lizzy machten deutlich, dass sie nicht umsonst unter den ganz Großen des Rock geführt werden.

Wo andere Gitarristen mit simplen Riffs für den Rhythmus sorgen, lieferten Gorham und Campbell ausgefeilte Gitarrenläufe. Die Soli, oft zweistimmig, bei denen sie sich immer wieder den Aktivposten wie einen Ball hin- und herwarfen, ließen so manchen Mund im Publikum offenstehen: Für das, was beide auf der Bühne aus dem Effeff zauberten, brauchen andere Gitarristen in der Entspanntheit eines Studios Anlauf um Anlauf. Dank der hervorragenden Gitarrenarbeit mutierte auch ein eher mittelmäßiger Song wie „Wild One“  zu einem richtigen Kracher.

Von wegen alt und verbraucht

thinlizzy110213_0426_250x165Um nichts nach stand ihnen der Rest der Band um Sänger Warwick, der hin und wieder zur Gitarre griff und das Gitarrenduo zu einem Triumvirat machte. Überzeugend dabei die Stimme des Keyboarders Wharton, der sich während „Still in Love with you“ mit Warwick abwechselte. Dass Downey trotz seiner 60 Jahre keineswegs zum alten Schlagzeugereisen gehört, zeigte sein kurzes, fulminantes Solo. Sauber und auf den Punkt die Bassarbeit Mendozas, dessen optische Erscheinung, langmähnig wie er ist, auch einer knallharten Metalkapelle gut zu Gesicht gestanden hätte.

Mehr als einmal erinnerte Warwick an seinen berühmten Vorgänger Lynott, der am 4. Januar 1986 an den Folgen seines jahrelangen Alkohol- und Drogenmissbrauchs starb. Darüber hinaus stand ein zweites ehemaliges Bandmitglied im Fokus des Abends: Gary Moore. Der Gitarrist, der unter anderem am Album „Black Rose“ beteiligt war, starb eine  Woche zuvor, am 6. Februar 2011, im Alter von 58 Jahren (Elecrictunes berichtete). Ihm zu Ehren intonierte Thin Lizzy den gleichnamigen Titelsong der Scheibe nach eindreiviertel Stunden als letzte Zugabe. Und heimste nicht nur damit den lautstarken Applaus der begeisterten Fans ein.

Kommt bald was neues?

thinlizzy110213_0453_250x165Trotz des Erfolges stände es der Band gut zu Gesicht, mit neuem Songmaterial aufzuwarten. Schließlich ist das letzte Studioalbum, aus dem an Titeln für die Konzerte geschöpft werden kann, 28 Jahre alt: „Thunder & Lightning“ stammt aus dem Jahr 1983. Wie schnell könnte es sonst passieren, dass sich Thin Lizzy selbst überholten und womöglich als Tribute-Band in eigener Sache endeten.

Es scheint sich allerdings einiges zu tun an der Thin-Lizzy-Front in Sachen neuer Songs: „Über die Jahre sind tonnenweise neue Songs entstanden, die nur darauf warten, aufgenommen und veröffentlicht zu werden“ verriet Gorham in einem Interview mit den „Stuttgarter Nachrichten“ während der Tour. Die Band habe über Neuveröffentlichungen gesprochen und Phils Witwe Caroline einbezogen, so Gorham. Wann es damit soweit ist, verriet der Gitarrist jedoch nicht. (Fotos: Helmut Löwe)