Rheinkultur in Bonn: 160.000 Fans und ein paar Einfaltspinsel

Mit einem solchen Andrang hatten die Veranstalter der 29. Bonner Rheinkultur wohl nicht gerechnet: Über 160.000 Musikfans strömten zu Deutschlands größtem „Umsonst&Draußen“-Festival in die Bonner Rheinaue. Das Gedränge vor den verschiedenene Bühnen war so groß, dass zwischenzeitlich sogar erwogen wurde, die Eingänge zum Festivalgelände zu schließen. Vorsichtshalber wurde ab Nachmittag auf der Rheinkulturwebsite sogar davon abgeraten, in die Rheinaue anzureisen.

Fotos von der Roten Bühne

Fotos von der Blauen Bühne

Bei einem solch enormen Zuspruch wird die Pleite vom Vorjahr, als wegen des WM-Viertelfinalspiels Argentinien – Deutschland und starker Unwetter lediglich 60.000 Zuschauer kamen, sicherlich schnell vergessen sein. Damit dürfte wohl eine finanzielle Schieflage, in die die Rheinkultur wegen des mangelnden Publikumsinteresses 2010 geraten war, in diesem Jahr kaum eintreten. Es sieht also alles danach aus, als wenn das Musikfestival auch zu seinem 30. Geburtstag 2012 wieder an den Start gehen wird.

Dichtes Gedränge schon am frühen Nachmittag

Die Besuchermassen hatten die Qual der Wahl zwischen über 30 Bands und DJs, die sich quer durch alle Musikrichtungen spielten. Während sich vor der Blauen Bühne, auf der am Abend Razorlight sowie Dick Brave & The Backbeats abräumten, die Fans erst nach und nach im Laufe des Tages einfanden, herrschte vor der Roten Bühne schon am frühen Nachmittag dichtes Gedränge. Offenbar wollten sich Abertausende den Auftritt der Power-Pop-Punker Itchy Poopzkid nicht entgehen lassen. Und die Schwaben heizten den Fans mächtig ein, ließen das Publikum springen, tanzen und pogen.

Von noch härterem Kaliber erwiesen sich Gallows aus England, die ihren Old-School-Hardcore mit Hochgeschwindigkeit unter das Publikum schossen. Nicht nur musikalisch legten Gallows los: während seines Ausflugs ins Publikum, der unter den Sicherheitsleuten im Bühnengraben für Aufregung sorgte, tobte der Sänger während mehrerer Lieder gemeinsam mit den Zuhörern. Und hinterließ einen bleibenden Eindruck: „Ich habe der armen Sau gerade ein Blaues Auge verpasst“, stellte Frank Carter eher belustigt denn bedauernd über seinen rauen Körperkontakt mit einem Fan fest.

HipHop-Fans zeigen sich von ihrer einfältigen Seite

Deutlich mehr und feindlichere Randale herrschte vor der HipHop-Bühne: Zwei rivalisierende Fangruppen gerieten am frühen Abend dermaßen aneinander, dass der Auftritt von „Haftbefehl“ abgebrochen wurde. Der Abbruch erboste die Menge offenbar dermaßen, dass es zu handgreiflichen Auseinandersetzungen kam, die Bühne gestürmt und die Anlage beschädigt wurde. Die Polizei musste anrücken, Verletzte behandelt und als Folge davon das restliche Programm komplett abgesagt werden. Einen solchen Konzertabbruch gab es bis dato noch nie auf der Rheinkultur.

Fotos von der Roten Bühne

Fotos von der Blauen Bühne

Wesentlich entspannter genoss die Menge den restlichen Abend vor der Roten Bühne, wo die Apokalyptischen Reiter aus der Stadt Goethes und Schillers zeigten, dass auch Weimarer sehr gut mit schweren, schnellen Metalklängen und mittelalterlich angehauchten Texten können. Den erfolgreichen Abschluss machten The Subways und machten deutlich, dass ein Trio mehr als ausreicht, um Indieklänge und Rock’n’Roll äußerst druckvoll und mitreißend zu vermischen. (Fotos: Helmut Löwe)

www.rheinkultur-festival.de