Tremonti machen’s in der Kantine kurz und knackig

Das zweite Album ist veröffentlicht, da wird’s ja auch mal Zeit für eine etwas umfangreichere Tour. Eine, welche mehr Termine im Fahrplan Deutschland hat, als zur Livevorstellung des Erstlings „All I was“. Da nämlich, im Jahr 2012, trat Ausnahmegitarrist Mark Tremonti lediglich einmal auf: im Kölner Gebäude 9. Nach dem Erscheinen von „Cauterize“ – von Kritikern und Fans gleichermaßen gelobt – standen im Winter 2015 zumindest drei Konzerte in der Republik an. Eines davon in der Kölner Kantine, wo Tremonti am 5. Dezember vor ausvekauftem Haus auf der Bühne standen.

Konzertfotos: Tremonti in der Kölner Kantine

900 Zuschauer sahen und hörten eine Band, der es vornehmlich darum ging, ihre Songs schwungvoll und ohne irgendwelches Showbrimborium unters Volk zu streuen. Daran, dass Mark, Gitarrist Eric Friedman, Drummer Garrett Whitlock und Bassist Tanner Keegan (der während der Tour Tremonti-Basser Wolfgang Van Halen ersetzte) musikalisch fit sind, ihr Metier nahezu perfekt beherrschen, gibt es ja kaum Zweifel. Allerdings war die Perfektion in der Kantine nicht immer greifbar. Die ein oder andere instrumentale Unregelmäßigkeit rutschte Mark aus den Fingern – etwas, was man sonst nicht von ihm kennt. Und auch gesanglich stimmte nicht immer alles – es schien, als hätte der Frontmann leichte Probleme mit Heiserkeit.

Wuchtiger Wums, karger Klang

Wie gut, dass Whitlock ein ebensolches Arbeitstier wie Mark ist – sein minimal ausgestattetes Drumset bearbeitete er vehement bis zum Anschlag, ließ zusammen mit Keagan den Bässen und dem knackigen Rhythmus freien Lauf. Und dass Friedman ein ebenfalls ausgezeichneter Gitarrist ist, bewies er nicht nur im Solo von „The Things I’ve seen“, in dem er auch vor bluesigem Einfluss nicht halt machte. Die klangliche Wucht, welche die Musiker produzierten, kam jedoch nicht sehr sauber durch die Lautsprecher. Ja, Bums war da, allerdings kam der Gesang und die Gitarren im Soundmix doch etwas kurz. Da hätten sich die Tontechniker doch bitte etwas mehr Mühe geben sollen.

Konzertfotos: Tremonti in der Kölner Kantine

Der Stimmung in der pogenden und tobenden Menge tat dies allerdings keinen Abbruch. Das Publikum feierte die 15 Songs – jeder der beiden Tremonti-Scheiben füllte die Setlist zur Hälfte – mit einer Menge Applaus. Sogar einen Circle Pit konnte man ausmachen – der Heavy-Brecher „Wish You well“ als Rausschmeißer verlangte deutlich danach. Tja, und danach war dann aber auch Schluss: 75 Minuten in einem Rutsch durchspielt, Zugabe Fehlanzeige. Wie gut, dass die Bandmitglieder etwas später am Verkaufsstand eintrafen und den Kontakt mit den Fans suchten. Das wird dem ein oder anderen den kurzen Tremonti-Konzertabend sicherlich etwas aufgepeppt haben. (Fotos: Helmut Löwe)

Setlist

– Cauterize
– You Waste Your Time
– All I Was
– So You’re Afraid
– Flying Monkeys
– The Things I’ve Seen
– Radical Change
– Dark Trip
– Brains
– Providence
– Arm Yourself
– Decay
– Another Heart
– Sympathy
– Wish You Well