The Scenes machen’s cool in „Sex, Drugs And Modern Art“

Keine Panik, lieber Hörer – was sich ganz danach anhört, als wäre das CD-Laufwerk kaputt, sind nichts anderes als die ersten Klänge von „Catch-22“. Nach den ersten Sekunden eines Gewimmels von Klang entwickelt sich ein ziemlich guter Song, der Opener des dritten Albums der Finnen von The Scenes namens „Sex, Drugs and Modern Art“.

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Tja, dass finnische Rockbands aus der zweiten Reihe nicht immer charttaugliches Material abliefern, machen ja schon Lapko oder Disco Ensemble deutlich: Gute Musik, aber geringer Bekanntheitsgrad. So ähnlich geht es auch The Scenes, die mit ihrer Rockattitüde des Schrägen eben auch nicht dafür geeignet sind, sich in den Hitparaden zu platzieren und die breite Masse zu begeistern.

Das Sextett um Sänger Konsta Koivisto und Gitarrist sowie Texter und Songschreiber Miki Liukkonnen arbeitet sich durch eine diverse Reihe von Genres: Punk, Hardcore, Noiserock, Grunge, Alternative, Artrock, Balladeskes – alles findet irgendwie Unterschlupf auf „Sex, Drugs and Modern Art“. Bei so etwas kommt reichlich Abwechslung auf, musikalische Langweile ist da ganz weit weg. Wer Nirvana oder Soundgarden goutiert, der wird mit „Absolution, Please“ seine helle Freude haben – das ist doch irgendwie Grunge in Reinform. „Death of a Common“ hört sich fast schon danach an, als wären Iggy Pop und The Stooges unter falschem Namen in Finnland unter- und wieder aufgetaucht.

Schräge Poesie, wirre Bilder

Und etwas wie „Hypermobility“ klingt so stark nach Hüsker Dü, als hätten sich die US-Amrikaner nicht vor knapp 20 Jahren aufgelöst. Vorsicht aber nun: Ein einfacher Abklatsch von dem, was die genannten Musiker machten, ist das Werk The Scenes‘ keineswegs. Dafür ist’s irgendwie zu cool, zu gewagt, solch unterschiedliche Genres gekonnt aufzugreifen und gekonnt wiederzugeben.

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Die Texte – und die schreibt allesamt nicht Koivisto, sondern alleine Gitarrist Liukkonnen, ein in seiner Heimat durchaus bekannter Dichter und Schriftsteller – entbehren nicht einer gewissen Gewöhnung. Mit der Modernen Kunst hat es halt so etwas auf sich, die will man nicht immer verstehehen. Schräge Poesie, obskure und aneinandergereihte wirre Bilder – das ist es, wovon Koivisto in Stimmlagen kreuz und quer singt. „Do you know what I mean, because I don’t“, so heißt’s zum Beispiel im vierten Lied „Despair of Zeitgeist“. Nein, auch wir wissen es nicht, nicht jetzt und fast kaum… Und außerdem ist’s egal, wenn die Musik überzeugt! (Foto: Aki Roukala)

„Sex, Drugs and Modern Art“ von The Scenes hat zehn Songs und eine Laufzeit von 35:43 Minuten. Erschiennen ist das Album auf dem Label BB Island und bei Cargo Records im Vertrieb.

Anspieltipps: Catch-22, Despair of Zeitgeist, Always lie about your Childhood, Death of a Common

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