Killing Joke – „Absolute Dissent“: wieder was von der Endzeitfront

kj_chrisodonovan._250x165jpLange genug haben die Fans von Killing Joke auf dieses Album warten dürfen – und das aus gleich zwei Gründen: Zum einen dauerte es knapp 28 Jahre, bis die Post-Punk-Ikonen in derselben Besetzung wie zu Zeiten des „Revelations“-Albums zusammenfanden. Zum anderen war das 13. Studioalbum bereits für April angekündigt, ebenso wie die Tour – und nun ist es doch erst Oktober  geworden. Dass die Scheibe, anders als angekündigt, nicht „Feast Of Fools“ sondern „Absolute Dissent“ heißt, ist da nur zweitrangig.

Sänger Jaz Coleman, Gitarrist Geordie, Bassist Youth und Schlagzeuger Paul Ferguson haben sich auf dem Neuling wieder einmal mächtig, laut und rau ins Zeug gelegt. Aufgenommen in London verbreiten die zwölf Songs reichlich Endzeitstimmung – musikalisch und, wie kaum anders von Coleman zu erwarten, auch textlich. Coleman konfrontiert die Hörer einmal mehr mit apokalyptischen Visionen, und das nicht nur in „Endgame“, welches gleich den passenden Titel hat.

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kj_absolute_180Zerstörung der Umwelt, Klimakollaps, Aufruhr, wirtschaftliche Depression, politische Unruhen, Krieg, Untergang – alle jene Themen, die einen immer wieder tief im Innersten aufwühlen und Angst machen, bringt Coleman in gnadenloser Offenheit und unverbrämt aufs Tapet. Und seine drei Mitstreiter liefern zum lyrischen Weltuntergang den passenden musikalischen Rahmen. Geordie erzeugt scheinbar meterhohe und undurchdringliche Gitarrenwände, die lediglich hin und wieder von Colemans Keyboards überlagert werden: So zum Beispiel übernehmen in „European Super State“ oder „The Raven King“ (eine Hommage an den 2007 verstorbenen Bassist Paul Raven) die Tasteninstrumente die Führung und machen diese Stücke vom Fleck weg eingängiger.

Düsteres musikalische Hochwasser

Die Drumarbeit Fergusons kommt ohne großen Schnickschnack und aufwändige Breaks aus. Kraftvoll und unbeirrt trommelt er den Rhytmus, während Youth seine knorrig-wummernde Bassarbeit verrichtet. In den Vordergrund rückt kaum einer – jeder Musiker bekommt einen  gleichwertigen Anteil an den Songs, was diese durchweg unheimlich dicht macht. Und aus dem immerwährenden und gleichmäßigen musikalischen düsteren Hochwasser mit wenig Tide taucht Colemans Stimme mal singend, mal schreiend, mal überschnappend auf. Den Abschluss des knapp 63-minütigen Albums macht das getragene, dub-lastige Stück „Ghosts On Ladbroke Grove“.

So und kaum anders haben es Killing Joke zum Anfang ihrer Karriere gemacht,  und so machen sie es auch nach 30 Jahren noch.  Das heißt, nicht wirklich Neues, sondern Bewährtes an der Endzeitfront. Aber gut ist dies durchaus, besser als das vorherige Album „Hosannas From The Basements Of Hell“, welches 2006 durch lautstarke Ödnis glänzte. Dennoch hätte „Absolute Dissent“ etwas mehr Abwechslung vertragen können: Hier und da ein keck hervorlugender Vorsprung, ein überraschender Absatz in der Gitarrenwand wäre durchaus eine Erweiterung gewesen. Und auf die überbordende Übersteuerung der Instrumente wie in „The Great Cull“, „This World Hell“ (bei dem man meint, mit dem Quartett im Probenraum zu stehen) oder „Depthcharge“ hätte man verzichten können, ohne dem Sound die Aggressivität zu nehmen. Für Killing-Joke-Fans ein „Muss“, für alle andere ein „Sollte“, welches bei öfterem Hören an Qualität gewinnt. (Foto: Chris O’Donovan)

Anspieltipps: „Absolute Dissent“, „European Super State“, „The Raven King“, Here Comes The Singularity“.

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