Kyuss lives! entfachen ein knochentrockenes Soundbeben

kyusslives110328_0101_250Totgesagte leben länger, so heißt es. Dass dieses Sprichwort durchaus wahr ist, beweisen Kyuss: 1990 gegründet und bereits fünf Jahre später wieder aufgelöst, sind die Urväter des Desert- und Stoner-Rock 16 Jahre nach ihrem „Tod“ wieder sehr, sehr lebendig. Und geben auf ihrer ausverkauften Tour durch Deutschland ein lautstarkes und dröhnendes Zeichen ihrer Vitalität – firmiert als Kyuss lives!.

Fotos vom Konzert

Sänger John Garcia scharte seine beiden Gründungskollegen, Bassist Nick Olivieri und Schlagzeuger Brant Bjork, zusammen und zog sich Gitarrist Bruno Fevery an Land. Einzig der ehemalige Gitarrist Josh Homme verweigerte sich der Wiedergeburt und widmet sich lieber seinen Queens of the Stone Age, die ebenfalls auf Tour gehen werden. Das Fernbleiben Hommes hindert die „Dreiviertelwiedervereinigung“ aber keineswegs daran, die Kyuss-Songs, die ein ganzes Musikgenre prägten, mit einer unglaublichen Stärke auch über die am 28. März ausverkaufte Kölner Live Music Hall hinwegfegen zu lassen. So, als würde ein Wüstensturm um einen herum brausen, eine gigantische Wanderdüne auf einen zukommen.

kyusslives110328_0069_250Olivieri lässt seinen Bass beben, als hätte er es darauf angelegt, die Sicken der Lautsprechertieftöner zu zermalmen. Man spürt ein Knurren und Brummeln im Unterbauch, welches aber weit, weit weg von einem Hungergefühl ist. Magen und Darm vibrieren im Rhythmus tiefer Töne, in den auch die bis in den Keller gestimmte Gitarre Feverys einsteigt.

Schemenhafte Lärmgestalten

Inmitten der voluminösen Rocklawine klammert sich Garcia meist weitgehend bewegungslos an das Mikrofon und knarzt die Texte in dieses hinein. Passend zur staubtrockenen Klangwand ist die Bühne meist in Rot-, Gelb, und Orangetöne getaucht. Wer nach grünen oder blauen Spots Ausschau hält, wird genauso selten fündig wie jemand, der in der Wüste auf der Suche nach einer Oase ist.

kyusslives110328_0166_165Die Musiker sind im Nebel auf der Bühne meist nur schemenhaft auszumachen – schon wieder der Gedanke an einen Wüstensturm, der nur wenig Orientierung bietet. Garcia macht über seinen Gesang hinaus auf schweigsam; erst nach einer Dreiviertelstunde durchbricht er die Stille zwischen zwei Songs, um seine Bandkollegen vorzustellen. Das nächste Mal spricht er erst wieder zu den begeisterten Fans, als er sich nach der dritten Zugabe „Green Machine“ mit „thank you very much“ von den 1.500 verabschiedet. Und, man ist überrascht, dem Publikum sogar kurz applaudiert.

Offensichtlich hat ihm der Auftritt gefallen – genauso, wie der Live Music Hall, die hin und weg ist, die Legenden des Stoner-Rock gesehen und noch mehr gehört zu haben. (Fotos: Helmut Löwe)

Setlist

– Gardenia
– Hurricane
– Thumb
– One Inch Man
– Conan Troutman
– Freedom
– Asteroid
– Supa Scoopa and Mighty Scoop
– Fatso Forgotso
– Odyssey
– Whitewater
– Rodeo
– 100 Degree
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– Spaceship landing
– Allen’s Wrench
– Green Machine

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