Bei Akustiknummer rocken Steel Panther den Sex auch ohne Verstärker

Man darf sie als legitime Erben solcher Bands wie Cinderella, Mötley Crüe oder Poison bezeichnen: Steel Panther, die ihr musikalisches Heil im von vielen herablassend als Hair- oder Poser-Metal bezeichneten Glam-Metal suchen. Seit 2008 ist das Quartett mit hochtoupierten Haaren, knallengen Spandexhosen und bunten Bühnenklamotten unterwegs – einem Styling, welches die vier Musiker oft genug aussehen lässt, wie aufgebrezelte Bordsteinschwalben. Passend dazu auch die Inhalte, über die Steel Panther in ihren Songs singen: Girls, scharfe Bräute, Chicks und Blowjobs – Sex also, dieser in nahezu allen Variationen.

Auf ihren Konzerten geht es rund wie in einem überkandidelten Rockzirkus, wüst und bunt. Und was bei Steel Panther – das wissen die Fans genau – immer zu beachten ist, man darf nicht alles so furchtbar ernst nehmen, selbst dann nicht, wenn die Band so richtig losrockt und wirklich gute Musik macht. Das sollte man sich auch bei den kommenden Konzerten hinter die Löffel schreiben, die im Winter anstehen. Vor ihrem Auftritt in der ausverkauften Live Music Hall Anfang November legten Sänger Michael Starr, Gitarrist Satchel, Bassist Lexxi Foxx und Drummer Stix Zadinia für einige wenige ihrer Anhänger einen besonderen Auftritt in Köln hin: ganz im kleien Kreis und ohne große Lautsprecheranlage – eine gemütliche Akustiknummer also, freier Eintritt und Bier inklusive. Die etwa 50 Fans, viele selbst wie ihre Helden in Spandex und schräg-buntem Outfit gekleidet sowie mit Stirntuch versehen, hatten über Facebook von der Aktion erfahren.

Derbe Anzüglichkeiten in elitärem Ambiente

Trotz der entspannten Atmosphäre und angesichts der exklusiv-elitären Lage – im Kranhaus Mitte im Rheinauhafen – machten Steel Panther auch an diesem Abend keineswegs vor den bekannten üblen Anzüglichkeiten halt, die ihr sonstiges Auftreten und vor allem ihre regulären Konzerte prägen. Songtitel wie „Supersonic Sex Machine“, „Fat Girls“ oder „Girl from Oklahoma“, in dem es um Oralverkehr geht, standen unter anderem am 26. Oktober auf der halbstündigen Setlist. Aber egal, welche Peinlichkeiten Starr & Co. verbal auch immer von sich gaben, die Fans fanden es großartig, ihrer favorisierten Band quasi auf den Füßen zu stehen, mit den Musikern abzuklatschen und Autogramme abzugreifen.

Angst davor, dass solche musikalisch sanften Akustiksets den guten Ruf als Steel Panthers als echte Metaller zerstören, hat zumindest Gitarrist Satchel nicht: „Metal bleibt Metal, egal wie man ihn spielt“, machte der Mann mit den langen braunen Haaren gegenüber Electrictunes klar. Und wer es gar wagt, Steel Panther als ganzes den Status als echte Metaller zu entziehen, das Auftreten der Truppe womöglich als Parodie zu bezeichnen, so wie es einige Kritiker tun, der kann sich warm anziehen: „So jemanden legen wir flach, der bekommt’s mal so richtig von uns besorgt“, warnte Satchel. (Fotos: Helmut Löwe)