Suns of Thyme und die hippiesken Songperlen

Wer meint, dass Psychedelic oder hippieske Klänge ein alter Schuh seien, nur noch von musikalischen Dinosauriern gemacht werden, der irrt. Der hat sich wahrscheinlich noch nicht das Debütalbum „Fortune, Shelter, Love and Cure“ der Suns of Thyme angehört. Denn die Berliner Band greift im Hier und Jetzt genau jene musikalischen Strömungen von vor knapp 50 Jahren auf, schreibt und produziert Lieder, die genauso auch in Woodstock hätten gespielt werden können.

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Oder in den 80ern, zu Beginn und Mitte derselben. Denn auch die Entwicklungen des Alternative- und Indierocks jener Zeit finden sich in den kleinen Songperlen des Quartetts wieder. Mal klingen die Suns of Thyme nach den Doors, nach Pink Floyd, den Greatful Dead; mal nach Southern Death Cult oder ein wenig My Bloody Valentine. Flirrende Gitarren und die dunkle Stimme von Tobias Feltes mit ihrem Vibrato und Hall geben den Liedern genau den passenden Anstrich für zeitlose Musik jenseits allen Keyboardpophitparadeneinheitsbreis.

Wer mit der stilistischen Einordnung hadert, greift am besten zurück auf das, was die Band über sich selbst sagt: „Suns of Thyme ist ein 2011 gegründetes Indie-Rockquartett aus Berlin, beeinflusst von Psychedelic und Shoegaze. Das musikalische Spektrum reicht von Krautrockmelodien über träumerisch-unruhige Balladen bis hin zu meditativen und gewaltigen mantramäßigen Songs.“ Besser kann man es nicht formulieren.

Vom Himalayahochland zurück ins Rockwunderland

Vielfach drücken einprägsame Gitarrenriffs- und läufe den Liedern einen Stempel auf, verhelfen Titeln wie „Violent Eyes“ oder „One Song“, welches Ian Astbury und Billy Duffy vor ihrer Hardrockphase nicht besser hinbekommen hätten, zu hohem Wiedererkennungswert. Besondere Aufmerksamkeit verdient „Asato Maa“: der gut sechsminütige Song ist einem Mantra tibetischer Mönche mit Kehlkopfgesang weit näher als einem Indierockstück. Wären da nicht die elegischen Gitarren, die einen vom geistigen Ausfluge ins Himalayahochland flugs wieder ins Rockmusikwunderland holten.

Auch die Covergestaltung mit einem tempelähnlichen Gebäude an einem Flussufer, von dessen Dächern herab einen die Augen Buddhas anstarren, lässt mal ganz klar den Schluss zu: hier hat es jemand mit den Religionen Asiens. Kein Wunder, dass sich da der Albumtitel „Fortune, Shelter, Love and Cure“ anhört wie eine buddhistisch-hinduistischen Grußformel. Das Debütalbum der Suns of Thyme hat mit seinen neun Songs sowie einem Zwischenspiel eine Laufzeit von 39:36 Minuten. Die Platte ist erschienen bei Motor Entertainment und im Vetrieb von Edel. (Foto: Kevin Klein)

Anspieltipps: One Song, Soma (Good for Gods), Cataclysm 2084

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