Interview mit Vivian Campbell (Def Leppard): Gutes Handwerk, schnelle Autos

2015 gehen Def Leppard nach zwölf Jahren Pause mal wieder auf Deutschlandtour. Die Briten sind seit 1977 aktiv, machten sich trotz gigantischen Erfolges während der 80er Jahre live aber immer rar in der Republik. Im Vorfeld der Tour nahm sich Gitarrist Vivian Campbell, der seit Längerem gegen eine Krebserkrankung kämpft, die Zeit für ein Interview per E-Mail.

Der Musiker, auch schon mit Dio, Whitesnake und Thin Lizzy erfolgreich, gab gerne und ausführlich Auskunft über das Rezept für eine lange Bandlebensdauer, plauderte über die Schwierigkeiten von Musik und Musikern sowie seine Liebe zu schnellen Autos.

Def Leppard gründeten sich 1977, vor also fast 40 Jahren. Wie lautet das Rezept der Band, über solch lange Zeit ohne Unterbrechung aktiv zu sein und kaum Veränderungen im Lineup zu haben?

Wir haben ein gemeinsames Ego. Wir gehen stets als Band miteinander ins Rennen und wissen, dass der Erfolg Def Leppards einzig und alleine den Songs als Band geschuldet ist und nicht den einzelnen Mitgliedern. Gleichzeitig macht es aber das Talent eines jeden Einzelnen aus, dass die Chemie in der Band so gut ist.

Wie geht ihr mit Konflikten oder Streitigkeiten um?

Wir reden stets miteinander und streben so Lösungen oder Alternativen an. Jeder von uns hat seine Stärken, zudem kennen wir uns mittlerweile so gut, dass wir in der Lage sind, die Fokussierung einzelner auf etwas anderes hintanzustellen.

Was können die Fans von Eurem kommenden Album erwarten?

Ich bin mir sicher, dass die nächste Scheibe die beste seit langem werden wird. Zudem wird sie sehr facettenreich. Denn das Album deckt viele Seiten der bisherigen Karriere Def Leppards ab: Rock, Pop sowie einige Genres, in denen wir bislang nicht beheimatet waren. Eine Premiere gibt es außerdem – auf einem Song wechseln wir alle uns bei den Leadvocals ab!

Eure letzte Deutschlandtour ist zwölf Jahre her. Was erwartet ihr jetzt als Band von euren deutschen Fans, die so lange auf Konzerte warten mussten?

Das deutsche Publikum hat einen musikalischen Anspruch: es erwartet, dass die Band auch live genau das bringt, was sie auf ihren Alben zeigt. Wir rühmen uns, live genauso gut zu sein wie auf Platte. Und das ohne jede technische Hilfe oder gar Unterstützung vom Band. Deswegen freuen wir uns auf unsere Liveauftritte in Deutschland und hoffen, dass das Publikum zu schätzen weiß, wie viel Arbeit wir in unser Handwerk stecken.

Was is das Besondere daran, Musiker zu sein?

Ich glaube nicht, dass man als Musiker etwas Besonderes ist. Klar bin ich glücklich, dass ich eine musikalische Karriere verfolgen konnte. Allerdings kenne ich viele talentierte Musiker, die es nie geschafft haben, ihr Talent in Erfolg umzumünzen – warum auch immer. Na ja, ich vermute, dass, wenn man sich all den Stress des vielen Reisens vor Augen führt, das Musikerleben schon sehr schwierig sein kann.

Wenn mich Nachwuchsmusiker um einen Karrieretipp bitten, lautet dieser: arbeite genauso viel mit anderen zusammen wie mit deinem Instrument! Denn wenn du erfolgreich sein willst, musst du mit anderen kommunizieren (außer als Romanautor [lacht]). Die Langlebigkeit Def Leppards hängt eben genau damit zusammen!

Wie unterscheidet sich das heutige Rockbusiness von dem in den 80er Jahren?

Die Musikindustrie hat sich enorm verändert. Heute ist es zwar einfacher, Platten aufzunehmen, aber sehr viel schwieriger, diese den Leuten nahezubringen. Ich glaube, dass wir in einer Welt leben, in der Menschen ihre Unterhaltung à la carte wählen, sich bloß dafür interessieren, was ihnen gerade genehm ist.

Man muss sich heutzutage so dermaßen anstrengen, um Aufmerksamkeit zu wecken. Darunter hat besonders die Musik gelitten, die zu einer Art Hintergrundgeräusch verkommen ist. Und erst, wenn dann keine Musik mehr erklingt, erkennen die Leute, wie wichtig Musik eigentlich im Leben ist.

Was machst Du in Deiner Freizeit? Womit nimmt man sich als Mitglied von Def Leppard eine Auszeit vom Musikerjob?

Ich lebe ein „stinknormales“ Leben, widme meine Zeit meiner Familie. Ich bin so oft getrennt von meinen Lieben, dass es einfach zwingend nötig ist, möglichst viel Zeit mit diesen zu verbringen, wenn ich dazu komme. Was ich darüber hinaus mache? Ich spiele sehr gerne Fußball. Und außerdem liebe ich es, schnell Porsche zu fahren: Ich bin ein große Fan der Autos aus Zuffenhausen, besonders des 911 GT 3 und anderer Rennsportwagen. (Foto oben: Maryanne Bilham Knight; Foto unten (2011): Helmut Löwe)

Herzlichen Dank für das Interview

www.defleppard.com

www.facebook.com/defleppard

Def Leppard 2015 live in Deutschland

25.05. – Stuttgart, Porsche-Arena
27.05. – Offenbach, Arena
28.05. – Köln, Palladium

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