Tremonti kontern auf „Dust“ mit rasanten Krachern

Hat man von der dritten Scheibe Tremontis namens „Dust“ etwa gehörig anderes erwartet, als von deren nicht einmal einem Jahr alten Vorgänger „Cauterize“? Vor allem, da uns der Gitarrenkönner Mark Tremonti schon vor geraumer Zeit erzählte, dass „Cauterize“ und „Dust“ in einem Aufnahme-Rutsch entstanden sind? Dass die Songs nur deswegen auf zwei Alben landeten, weil Mark Tremonti selbst nicht drauf steht, die Hörer mit einer Flut von Titeln zu überschwemmen? Nach diesem Wissen war man wohl davon ausgegangen, mit „Dust“ nun ein „Cauterize“ Teil zwei in der Hand zu halten und zu hören. Doch von wegen! Denn die Platte ist in keiner Weise auch nur annähernd eine B-Seiten-Ansammlung, eine Resteverwertung. „Dust“ ist ein gehöriger Kracher, eine verdammt eigenständige Scheibe. Und eine sehr gute!

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Auf den zehn Songs dreht Tremonti zusammen mit seinem Gitarrenkollegen Eric Friedman, dem Bassisten Wolfgang van Halen und Schlagzeuger Garrett Whitlock ordentlich an der Temposchraube. Viele der Titel arten in echte Thrasher und rasante Klopper aus – allerdings nie, ohne ihre Melodiösität zu verlieren oder gar in reines Tempogebolze auszuarten. Songs wie der Opener „My last Mistake“, The Cage“,oder „Once Dead“ legen in ihren instrumentellen Teilen eine ordentliche Geschwindigkeit vor, nehmen aber in den Gesangsparts etwas vom Schwung weg, um Tremontis Stimme genug Luft zu geben. Whitlock bringt in sein Spiel immer wieder kleine Gimmicks unter, welche der Rhythmusarbeit wesentlich mehr Präsenz verleiht.

Riffgewitter und ausgezeichnete Soli

Mit dem Titellied schicken Tremonti mal etwas Langsameres ins Rennen – na ja, nicht wirklich eine Ballade, eher wohl ein Lied, welches man gemeinhin als Powerballade bezeichnete. Der eingängige Gitarrenlauf setzt sich im Ohr fest, schöner Hook! Nach 5:22 Minuten ist dann aber wieder Schluss mit der Ruhepause, ein fetter Uptemporocker mit satten Riffs erobert die Gehörgänge. Nein, „Betray me“ ist nicht ganz so rasant wie einiges vorher Gehörtes, aber Double-Bass-Einsprenkler und schwer verzerrte Riffs mischen den Song auf für härtere Gefilde. Wie eine Mixtur der beiden vorangegangenen Songs wirkt „Tore my Heart out“: dunklere Grundstimmung, Riffgewitter wechseln sich mit ruhigen Momenten ab. Auch hier ein ausgezeichnetes Solo – für solche ist die Gitarrenfraktion stets gut. Seinen letzten Atem haucht der Titel sehr schwermetallisch aus.

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Und genau so geht es weiter auf „Dust“: bei „Catching Fire“ kann wohl kein Rocker, der Hartes gewohnt ist, widerstehen; die Tempiwechsel und Stilverschmelzungen machen den Song extrem interessant und abwechslungsreich. Als Rausschmeißer hat sich Tremonti mal wieder etwas balladeskes ausgesucht: wie schon auf „Cauterize“, auf dem die sanfteren “Sympathy” und “Providence“ das Ende der Scheibe markierten, ist dies diesmal „Unable to see“. Echte Lagerfeuerromantik kommt zwar nicht auf, doch für manch einen mag so etwas schon mal unter die Kategorie „metallener Romantiker“ fallen. Von den beiden ruhigeren Songs abgesehen ist Tremonti mit „Dust“ das wohl härteste Werk seiner bisherigen Soloprojekthistorie gelungen. Und wohl auch ein verdammt starkes obendrein! (Bandfoto: Pressefoto)

„Dust“ von Tremonti hat zehn Titel und eine Laufzeit von 43:20 Minuten. Das Album mit Veröffentlichungsdatum 29. April 2016 ist erschienen auf Fret 12 Records.

Anspieltipps: My Last Mistake, Once Dead, Catching Fire,

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