Aus für die Bonner Rheinkultur 2012

Nicht nur die Bonner Kultur, auch die Festivallandschaft ganz Deutschlands ist um ein großes und großartiges Ereignis ärmer: Die Bonner Rheinkultur, das größte eintrittsfreie Musikfestival Deutschlands, wird es 2012 nicht mehr geben. Ob das Festival unter dem Motto „Umsonst und Draußen“ auch zukünftig noch in den Bonner Rheinauen veranstaltet wird, ist ebenso ungewiss.

Mach’s gut Rheinkultur – du fehlst (Ein Nachruf)

Rückblick auf die Rheinkultur 2011

Als Rheinkulturmacher und Sprecher der Rheinkultur GmbH, Holger Jan Schmidt, die Stellungnahme über das Aus der Rheinkultur am Mittwochmorgen verlas, stand ihm und den Mitgesellschaftern die Enttäuschung ins Geesicht geschrieben. 29 Jahre lang hat die Rheinkultur das Bonner Kulturleben um eine musikalische Vielfalt bereichert und solch große Künstler wie die Fantastischen Vier, Sportfreunde Stiller, Bloodhound Gang, Selig oder Culcha Candela in die Beethovenstadt geholt.

Enttäuscht von der Stadt Bonn

Laut Schmidt seien die Anforderungen, die an ein solches Großereignis in „organisatorischer, logistischer und vor allem personeller und finanzieller Hinsicht gestellt werden“, mittlerweile nicht mehr zu erfüllen. Enttäuscht zeigten sich Schmidt und seine Mitstreiter vor allem von der Stadt Bonn, die diesem europaweit einzigartigen Musikfestival nicht den nötigen Stellenwert beimesse. Im Vergleich zu anderen kulturellen Großveranstaltungen der Stadt seien an die Rheinkultur stets  außergewöhnliche Auflagen und Anforderungen gestellt worden, wie zum Beispiel an die Regelung des ÖPNV sowie der Lautstärke. In Hinsicht auf finanzielle Zuschüsse habe sich die Stadt dagegen immer zurückgehalten – dies habe zu „Unzufriedenheit und Frustration geführt“, so Schmidt.

Zwar sei „2010 finanziell dramatisch ausgegangen“, so Mitveranstalterin Sabine Funk, doch das Ende der Rheinkultur finde in einer monetär ausgeglichenen Lage statt. 2010 war das Festival aufgrund geringer Besucherzahlen wegen der zeitgleich stattfindenen Fußball-WM und eines gewaltigen Unwetters in erhebliche finanzielle Schieflage geraten. Statt der erwarteten 150.000 Gäste waren nur 60.000 gekommen.

Um die Rheinkultur erhalten zu können, habe man über einer Umgestaltung des Festivals nachgedacht. Verkleinerung, Einführung eines Ticketsystems, auch das Einführen von Eintrittsgeld habe man in Erwägung gezogen. All dies aber hätte die Rheinkultur in seinem Wesen als offenes und eintrittsfreies Festival nachhaltig beeinträchtigt.  Sogar die Verlegung an einen anderen Ort wurde diskutiert – und verworfen: „Die Rheinkultur muss in der Rheinaue stattfinden – da gehört sie hin“, so Schmidt.

„Mit der RhEINKULTUR stirbt ein Stück Bonn…“

Auf der Facebookseite der Rheinkultur äußern sich die User traurig und erschüttert über das Aus des Festivals. Und viele nehmen der Stadt übel, sich anscheinend nicht genügend um den Erhalt dieses weit über die Grenzen Bonns hinaus beliebten und europaweit bekannten Musikspektakels engagiert zu haben. So schreibt Jean Pierre Z: „Eine Stadt geblendet von ihrem wohl berühmtesten Bürger (Ludwig van Beethoven; d. Red.) , verliert die Sicht für das Wesentliche“. „Mit der RhEINKULTUR stirbt ein Stück Bonn…“, trauert Jonas Michael Fehres und Marius Fuhrmann stellt fest: „Man merkt erst was man hatte wenn es vorbei ist“.

Kaum weniger ihr Fett weg als die Stadt bekommen jene Besucher, die gerade in der vergangenen Zeit durch Aggressionen, erhöhten Alkoholkonsum und Gewalt dem ehemals ruhigen und friedlichen Festival Negativschlagzeilen bescherten (2011 wurde wegen Randale das Programm auf der HipHop-Bühne abgebrochen – einen solchen Abbruch gab es erstmals in der Rheinkulturhistorie) . „Schade, dass diese Chaoten von diesem Jahr ein Grund für diese Entscheidung sind“, so Moritz Aaron Esch. Und „was ist eigentlich aus den Kerlen geworden, denen wir den grausamen Festival-Verlust jetzt zu verdanken haben?“, fragt Sabrina Eckertz. (Fotos: Helmut Löwe)

www.rheinkultur.com