Jean Michel Jarre, Meister der Schaltkreise und Laser

Auf der Bühne sieht es ein wenig aus wie auf der Brücke der USS Enterprise NCC 1701, mit der James T. Kirk durchs Weltall fliegt. Apparaturen, Tasten, Knöpfe, und Schalter, die allesamt seltsame Klänge, Melodien und Geräusche von sich geben, wenn man sie bedient.

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Mit einem Raumschiff haben die meterlangen Bedienelemente allerdings nichts zu tun, selbst wenn sie futuristisch, sphärisch anmutende Klänge von sich geben: Denn bei den elektronischen Geräten handelt es sich um analoge Synthesizer, Tasteninstrumente und Effektgeräte, mit denen den Tontüftler Jean Michel Jarre seine  Klangwelten generiert.

Der Franzose baut auch im Jahre 2011 nicht auf moderne Elektronik wie Laptop oder digitale Keyboards. Die Musik, die er erzeugt, kommt aus Equipment, das er bereits in den 70er Jahren verwendete, um so erfolgreiche Schallplatten wie „Oxygene“ oder „Equinoxe“ aufzunehmen. Jarre beschränkt sich jedoch nicht darauf, Klänge, Melodieabfolgen, Lieder zu komponieren und zu spielen, zu seinen Auftritten gehört ebenso eine enorme Portion Licht- und Laserspektakel. Das bekommen auch die etwa 6.000 Zuhörer am 5. November in der Lanxess-Arena zu hören, sehen und zu spüren.

Aus der Anlage fließen glasklare Klänge, über die riesige Videoleinwand im Bühnenhintergrund huschen Bilder von Keyboardtastaturen, Kabel, Steckverbindungen, Reglerarmaturen und Oszillographenkurven. Diese wechseln sich ab mit Aufnahmen Jarres, wie der „Meister der Schaltkreise“ über seinen „Arbeitsplatz“ gebeugt von Knopf zu Taste hastet, stets Klangbilder generierend. Gleichzeitig streichen Laser durchs Dunkel der Halle, ziehen die Blicke des Publikums hinter sich her. Multimedial halt.

Licht wird zu Tönen

Wie eng Ton und Licht eine Melange bei Jarre eingehen, wird deutlich, wenn der 63-Jährige auf der Laserharfe spielt. Darauf musizieren wird Optik zu Akustik, werden Lichtstrahlen zu Tönen – nicht unbedingt wohlklingend, aber erstaunlich. Nahezu experimentell, avantgardistisch ist des Franzosen Handhabung des Theremin, ein berührungslos gespieltes Instrument, mit dem Klänge durch das Hineinfassen und Bewegen der Hände in dessen elektromagnetischem Feld generiert werden. Vom russischen Physiker Lev Sergjiewitsch Termen 1919 entwickelt, klingen die von Jarre gespielten Melodien am Theremin sehr nach einem Konzert einer extraterrestrischen Spezies in einer Star-Trek-Folge.

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Solche aural schwer zu fassenden Eindrücke sind es wohl, welche die Zuschauer, anders, als bei anderen Konzerten, nur schwer aus sich herausgehen lassen – aller einpeitschenden Gestik Jarres zum Trotze. Erst nach und nach lässt das Publikum Sitzplatz Sitzplatz sein, bewegt sich zur Bühne, tanzt und klatscht mit. Einmal mehr wird deutlich, dass die eindrucksvolle Mixtur Jarres, sein Gesamtkunstwerk aus Ton und Licht, vielmehr etwas für Ohr, Auge und Kopf ist, denn für die Beine. (Fotos: Helmut Löwe)