Within Temptation lassen mächtige Hydra los

Wer gut Autos aufmotzen kann, der kann auch gut Songs aufmotzen. So dachten sich wohl die niederländischen Symphonic-Metaller Within Temptation, als sie sich auf ihrer neuen Scheibe „Hydra“ für den Song „And we run“ die Dienste von Xzibit sicherten. Der US-Rapper motzte in der MTV-Serie „Pimp my Ride“ alte Schrottmühlen auf, mit Sharon den Adel singt, respektive rappt er sich durch Bombastmetal. Aufmotzen muss er dabei jedoch weniger, hat der Song an sich doch schon genug kompositorische Finesse, musikalisches Geschick und hervorragenden Gesang.

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Das hört sich schon mal ganz gut an, noch eine Schippe drauf aber legen Within Temptation, wenn sich auf „Dangerous“ den Adel von dem früheren Killswitch-Engange-Sänger Howard Jones unterstützen lässt. Begleitet von satten Gitarrenriffs und Double-Bass-Attacken harmonieren die beiden sonst doch eher gegensätzlichen Stimmen sehr gut – sowohl im Wechsel als auch als Duett. Wie die Faust aufs Auge des Symphonic-Metal-Hörers passt die Zusammenarbeit mit Tarja Turunen: die beiden Grand Dames des Metal verpassen „Paradise (What about us?)“ quasi eine Blaupause in Sachen symphonischem Rock.

Ein bisschen zuviel des Guten

Ein bisschen zuviel des Guten wird es jedoch, wenn sich Turunen in allzugroße, opernhaften Höhen schwurbelt, denn dann klingt der sonst ordentliche Song wirklich etwas zu pathetisch. Genau solches überbordende stimmliche Pathos wurde Turunen auch schon auf ihrem letzten Album „Colours in the Dark“ vorgeworfen. Nummer vier der stimmlichen Zusammenarbeit ist auf dem letzten „Hydra“-Song vertreten: Mit Soul-Asylum-Frontmann Dave Pirner singt sich den Adel durch „Whole World is watching“. Ein netter Titel, der aber lange nicht die Klasse anderer Kompositionen des Albums erreicht.

Hin und wieder schielen Within Temptation ein wenig zuviel in Richtung Charts, wirken dann doch allzusehr poppig. Lieder wie „Covered by Roses“ oder „Dog Days“, bei dem man nach der 30. Wiederholung des Refrains aber auch wirklich begriffen hat, dass die Hundstage angebrochen sind, hören sich extrem danach an, verdammt rockig sein zu wollen, ohne zu sehr rockig sein zu wollen. Das könnten andere Popbands auch, die mit dem Rockwurm am Angelhaken Fans härterer Gangart ködern wollen. Doch zum Glück gibt es da ja noch andere Werke wie „Let us burn“ oder „Silver Moonlight“, die es in sich haben.

Ganz großer Gesang

Über jegliche Zweifel erhaben ist dagegen der Gesang Sharon den Adels. Die Stimme der dreifachen Mutter ist quer durch alle Gesangsparts großartig, glasklar, erlaubt sich keinerlei Schwächen. Falls dem ein oder anderen ein leichter Schauer über den Rücken ob der nahezu perfekten Vokalkunst läuft – da muss man durch. Erst der Gesang den Adels macht aus der großen Hydra eine mächtige. Die Platte mit einer Laufzeit von 49:33 Minuten ist erschienen bei BMG Rights Management und im Vertrieb von Rough Trade. (Foto oben: Within Temptation, unten: Helmut Löwe)

Anspieltipps: Let us burn, Dangerous, Silver Moonlight, Tell me why

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