„Siren Charms“ eröffnet In Flames die Charts und Stadien

Die Jungs von In Flames müssten ja bald schon mit einer Glatze herumlaufen, wenn es nach der Mehrheit der Fans der schwedischen Metaller ginge: Nach der Veröffentlichung der ersten beiden Songs des neuen Albums „Siren Charms“ (VÖ 5. September) namens „Rusted Nail“ und „Through Oblivion“ lassen ganz, ganz viele kaum ein gutes Haar an den Musikern und ihrer neuen Produktion. „Softer Scheiß“, „von wegen Metal, das ist Pop“, „selbst Nickelback sind härter“ oder „Musik von Produzenten, die Geld verdienen wollen“ sind die Kommentare zu den beiden Videos. Doch auch gemäßigtere Stimmen sind zu hören – wenn auch wenige – die mahnen, man solle nicht mäkeln, wenn eine Band nicht über Jahre hinweg die Musik macht, die man als Fan erwarte.

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Was nun genau stimmt, ob die neue Studioscheibe „Siren Charmes“ Tinnef ist oder musikalische Weiterentwicklung, dies muss jeder Käufer mit sich selbst ausmachen. Was aber ganz klar ist: vom melodischen Death Metal, mit dem In Flames kategorisiert wurden, ist wohl nur noch ein Hauch auf dem Album Nummer elf vorhanden. Mit den Songs eröffnen sich Sänger Anders Fridén und seine vier Kumpels neue Horizonte in Form von Charts und Stadien. Weniger Geschrei, Gebrettere und Gitarrengeheul sind auf „Siren Charms“ angesagt denn vielmehr schöne Melodien, überwiegend einschmeichelnder Gesang und gemäßigtes Tempo. Wer den Vergleich mit Bands wie Within Temptation zieht, liegt nicht vollkommen daneben, auch wenn In Flames ja nun wirklich einen Tacken härter sind.

Melodische Rockmusik mit verhaltener Härte

Klar, böser Doublebass und aggressives Gitarrenspiel kommt vor, so wie auf „Everything is gone“ oder „When the World explodes“ mit der schwedischen Opernsängerin Emilia Feld als Gast. Doch auf dem ganz und gar größten Terrain der Platte regiert melodische Rockmusik mit verhaltener Härte, die den Hörer nicht wirklich in Aufregung versetzt. Böse Zungen würden womöglich von „Hausfrauenmetal“ sprechen. Oft genug kommt derbe Langeweile auf, Titel wie „Through Oblivion“ wollen an einem ohne Belästigung vorbeirauschen – tun das auch. Da bleibt nicht viel hängen. Und wenn man dann sogar darüber nachdenkt, dass die britischen Bombastrocker Muse Songs wie „With Eyes wide Open“ wohl besser hinbekommen hätten, ist dies nicht gerade ein gutes Zeichen.

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Irgendwie ist „Siren Charms“ für die Fans des bekannten In-Flames-Sounds wohl so etwas wie die Scheibe „Turbo“ für die Liebhaber der Metalikonen Judas Priest: ein herber Schlag in die Fresse. Mit „Turbo“ erschlossen sich Rob Halford & Co. 1986 zwar neue Hörerschaften, kamen zu höheren Chartplatzierungen, doch wirklich lange Bestand hatte die Poprock-Orientierung der Briten nicht. Spätestens beim Album zwei nach „Turbo“ war wieder Schluss mit Kommerz – „Painkiller“ ging metalmäßig aber mal so richtig in die Vollen. Tja, als Fan alter In-Flames-Kracher muss man sich jetzt fragen: Und wie macht meine (einstige?) Lieblingsband dann nach „Siren Charms“ weiter? Für Jemanden, dem In Flames bislang zu hart war, erschließt sich die Musik der Schweden nun wohl erst. (Bandfoto: Pressefoto)

„Siren Charms“ von In Flames hat mit seinen elf Songs eine Laufzeit von 44:58 Minuten. Das Album ist auf dem Label Epic veröffentlicht und im Vertrieb von Sony Music.

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