Mercutio, „Back to Nowhere“ und der schwere Anfang

Mercutio geht es ein wenig so wie Seether: Diese nämlich gelten immer als Band Südafrikas, obwohl sie schon vor einiger Zeit ihren Lebensmittelpunkt von dort aus nach Amerika verlegten, ihre Musik von dort aus machen. Und Mercutio, die Italiener, agieren jetzt einfach mal von London aus. Mit der gleichen Maxime wie Seether: Englischsprachige Musik machen, von einem englischsprachigen Land aus – von woanders her stammen. Ach ja – so ganz und gar verschieden ist die Musik beider nun auch nicht: alternativer Rock, manchmal heftiger, manchmal sanfter.

In welche Richtung der Rock Mercutios nun en dé­tail geht, das stellt das Quartett auf seiner Website schon mal klar: Radiohead, Muse and Porcupine Tree geben Sänger und Gitarris Mirko Petrini, Gitarrist Fabio Staffieri, Bassist Emanuel ‘Naz’ Nazzaro und Schlagzeuger Francesco Lucidi als Einflüsse an. Tja, und was soll man sagen? Das ist doch wirklich fast ganz und gar richtig. Kaum dass das Debütalbum „Back to Nowhere“ im Spieler zu rotieren beginnt, kaum dass erste Klänge vom Opener „Shed your Skin“ ertönen, meint man doch glatt, ein neuen Song der britischen Bombastrockheroen Muse zu hören. Wie gut, dass der Gesang von Petrini deutlich anders als das Falsett von Mathew Bellamy ist, sonst wär’s doch zu sehr ähnlich.

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Auf „Back to Nowhere“ agieren Mercutio musikalisch und kompositorisch ganz schön abwechslungsreich – die Bandbreite recht von melodischem Alternativerock über treibenden Hardrock bis hin progressiven Rock, zum Beispiel in „Reasons to erase“, wie ihn Porcupine Tree in melodiösen, Rush in harten Momenten produzieren. Die Band bietet einen ganzen Sack voll unterschiedlicher Rockelemente verschiedener Genres, spielt mit spontanen Tempiwechseln, bietet was für Hörer, die es eher straight mögen und solche, die musikalischen Ungewöhnlichkeiten offen gegenüber stehen. Das kann schon was.

Licht und Schatten

Aber das ist noch nicht alles. Denn oft ist dort, wo Licht ist, auch Schatten. Und Schatten tut sich auf „Back to Nowhere“ so manches mal auf. Vor allem, was den Gesang von Petrini betrifft. Nein, nicht unbedingt die Stimme selbst – auch wenn Petrini manchmal einen etwas zu „operettenhaften“ Charakter an den Start bringt -, sondern das Bestreben, sich der englischen Sprache zu befleißigen. Das hört sich doch allzu oft zu bemüht an – nicht ganz so schlimm wie der englische Gesang Klaus Meines – aber hier erkennt man sofort und ganz offen, dass es sich nicht um einen englischen Muttersprachler handelt. Schade – das will oft nicht wirklich gut zu den guten Songideen passen.

Und das andere Manko des Debüts von Mercutio ist das doch ein wenig zu häufige Auftauchen von Balladen. Während die härteren Songs mit Abwechslung, songschreiberischer Finesse und gekonnte Umsetzung punkten, bleiben die langsameren Titel doch meist auf der Strecke. Vielfach klingen Titel wie „A Part of me“ oder „Mother“ nach noch nicht ganz ausgegorenen Versuchen eines „Jungs mit seiner Gitarre“ – da ist wirklich noch Luft nach oben. Tja, aller Anfang ist halt schwer – auch im Rockbusiness. Wenn Mercutio auf ihrem kommenden Album deutlich an den Balladen feilen, weiter so viel Energie in Titel wie „Anytime“ „Hail the Night“ oder „Set me free“ stecken, dann kann was draus werden… (Foto: Giovanna Magiu)

Mercutios Debütalbum „Back to Nowhere“ hat 12 Titel und eine Laufzeit von 48:19 Minuten. Das Album gibt es ab dem 13. November auf Diverse Records und wird von Rough Trade vertrieben.

Anspieltipps: Anytime, Reasons to erase

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