Soen und „Lykaia“, das ist dynamisch, melodisch und echt stark

Wenn der geneigte Hörer erfährt, dass sich eines der Mitglieder vom Soen seine Meriten einst bei den Progressive-Metallern Opeth verdiente, dann kann er womöglich erahnen, dass ihn auf der bereits dritten Scheibe des Quintetts keine Musik von der Stange erwartet. Und dass dem nämlich genau so ist, macht nicht alleine das Schlagzeugspiel Martin Lopez‘ – dieser nämlich bediente bei Opeth von 1997 bis 2006 die Drums – aus, sondern das gesamte musikalische Drum und Dran, welches Soen auf „Lykaia“ nahezu in Perfektion betreiben.

Was Lopez, Sänger Joel Ekelöf, Gitarrist Marcus Jidell, Bassist Stefan Stenberg und Organist Lars Åhlund an Komposition und Umsetzung bieten, bewegt sich irgendwo zwischen Tool, Porcupine Tree und Pink Floyd. Und ist echt ganz starkes und großes Kino. Harte Passagen finden gleichwertige Berechtigung neben sanften Elementen, Titel scheinen manchmal zu schweben, manchmal am Gehör zu rütteln. Soen stürzen sich auf ganz viel Abwechslung und Dynamik, lassen Melodie dabei nie aus den Augen. Wer es gerne so richtig derbe hat, viel Krach und Gebrettere sein eigen nennt, der findet mit „Lykaia“ womöglich nicht seine Erfüllung.

Eine außergewöhnliche musikalische Einheit

Growling ist Fehlanzeige, obwohl viele Momente mit wütender und düsterer Stimme klarkämen. Der mitreißende Gesang Ekelöfs kontrastiert sowohl mit wuchtigen und verzerrten Gitarren in bester Metalmanier als auch mit melodischem Sechssaiter, der in seltenen Momenten gar Gedanken an Mark Knopflers oder David Gilmours speziellen Sound erinnert. Apropos Gilmour, wem Pink Floyd nicht unbekannt ist, der wird durchaus Ähnlichkeiten zwischen Songs von Soen und denen der großen britischen Meister entdecken. Zum Beispiel in „Lucidity“ oder ganz deutlich in „Paragon“. Hier hat man mehr als einmal das Gefühl, als wären Gilmour, Roger Waters und Kumpels zugange und hätten die harte Schiene für sich entdeckt.

Viele abrupte Tempiwechsel beleben „Lykaia“ enorm, heben die Kompositionen der Band weit über hochwertiges Standardsongschreiben hinaus. Die Gitarre gleitet dahin, Sekundenbruchteile später schlägt der Verzerrer unbarmherzig zu. Und mit der verdammt variablen Schlagzeugarbeit setzt sich Lopez überdeutlich von gekonnter Rhythmusarbeit im Hintergrund ab. Hier treffen wirklich fünf Musiker aufeinander, die nicht bloß gemeinsam musizieren, sondern in ihrem Zusammenspiel eine außergewöhnlich gut aufeinander abgestimmte musikalische Einheit bilden. Das ist Progressive Rock von ganz großer Güte! Wie gut sich das live anhört, ob die Musiker ihre Qualität auch auf der Bühne ausspielen können, das zu überprüfen, dazu hat man bei fünf Konzerten im Frühjahr in Deutschland die Möglichkeit. (Foto: Pressefoto)

„Lykaia“ von Soen hat acht Songs und eine Laufzeit von 49:23 Minuten. Das Album ist verlegt bei UDR und im Vertrieb von Warner.

Anspieltipps: Sectarian, Opal, Sister

Soen im Frühjahr 2017 live in Deutschland

30.03. – Hamburg, Logo
03.04. – Krefeld, Kulturfabrik
04.04. – Köln, Underground
05.04. – Frankfurt, Das Bett
06.04. – Berlin, Cassiopeia
13.04. – München, Backstage, Halle
16.04. – Weinheim, Café Central

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