Ramones - It's alive

Ausgegraben: Ramones – It’s Alive

Die Reihe “Ausgegraben” stellt Scheiben vor, die es lange nach Veröffentlichung wert sind, nicht im Plattenschrank zu verstauben, sondern noch einmal gehört zu werden. Dieses Mal: Die Ramones, welche auf ihrem Livealbum „It’s Alive“ als das präsentieren, was Punk ausmacht – nämlich Energie, Stimmung, schnörkelloser Rock’n’Roll und das komprimiert und stets am Limit. Das Album ist quasi die Essenz des Punks.

Wer zum Teufel braucht Livealben? Die meisten dieser Platten sind kaum mehr als ein beliebiges Sammelsurium von Songs, die eine Band mal irgendwo auf einem Konzert, einer Tour gespielt hat. Üblicherweise ohne jedweden erhörbaren Mehrwert – außer für Die-Hard-Fans, die sich keine Veröffentlichung ihrer Lieblinge entgehen lassen wollen.

Es gibt allerdings Ausnahmen. Nämlich Livealben, die deutlich mehr sind, als beliebiges Songmaterial irgendwo gespielt. Zum Beispiel Deep Purples „Made in Japan, David Bowies „Stage“, „Live Killers“ von Queen oder „Live and Dangerous“ von Thin Lizzy. Diese Alben fangen die Atmosphäre und die Außergewöhnlichkeit von Konzerten eben jener Protagonisten exzellent ein, geben Ausdruck davon, wie toll Musik transportiert werden kann, wenn sie nicht im Studio, sondern auf einer Bühne vor Publikum ihre Kraft entfaltet.

Komprimierte Form und geballte Kraft

RamonesUnd zu genau solchen Ausnahmen gehört „It’s Alive“ von den Ramones. Das Doppelalbum, aufgenommen am 31. Dezember 1977 im Londoner Rainbow Theater, spiegelt in außergewöhnlicher Art und Weise die Punkmusik der New Yorker Band wider. All das, was die Musik der Ramones auf ihren ersten drei Alben ausmachte, findet sich auf „It’s Alive“ in komprimierter Form und geballter Kraft wieder. Die 28 Songs – die dem Doppelalbum zur außergewöhnlich knappen Spielzeit von 54:36 Minuten verhelfen – strotzen nur so vor Energie und geben Ausdruck von der Spielfreude der vier Musiker.

Sänger Joey, Gitarrist Johnny, Bassist Dee Dee und Drummer Tommy schießen ein echtes Feuerwerk an musikalisch zwar äußerst simplen, aber dennoch gewaltigen Krachern ab. Nahezu nonstop gehen die Songs ineinander über, lediglich unterbrochen durch ein knappes Anzählen „one-two-three-four“. Dieses „one-two-three-four“ ist, ebenso wie das „hey-ho, let’s go!“ aus „Blitzkrieg Bop“ und das „gabba gabba hey“ während „Pinhead“ zu einem Markenzeichen, ja eher schon zu einem Alleinstellungsmerkmal der US-Punks geworden.

Die Essenz des Punks

RamonesViel mehr sogar als das: alle drei Wortschöpfungen sind wie kaum andere Idiome mit dem Punk verbunden. Schon alleine daran erkennt man die Bedeutung der Ramones für die Musik, insbesondere für die des Punks. Die Simplifizierung der Musik auf wenige Akkorde, auf wenige Gitarrenriffs, bedeutete vielen Bands und Fans nicht nur die Abkehr vom ausufernden und komplizierten Art-Rock der Siebziger, sie bedeutete zudem eine Hinkehr auf das Wesentliche: maximale melodische Kraft und Energie reduziert auf einen minimalen Zeitraum.

Die Musik der Ramones, vor allem jene auf dem Album „It’s Alive“, ist quasi die Essenz der Rockmusik, vor allem die des Punks: irgendwie voll auf die Zwölf und keine Sperenzchen!. „It’s Alive“ von den Ramones ist eines jener Alben, welches in keiner gut sortierten Plattensammlung eines jeden Musikliebhabers fehlen darf. Mehr noch: „It’s Alive“ als Rockmusikfan nicht zu besitzen, ist schändlich, beinahe schon ein Sakrileg!

Die Platte erschien im April 1979 als Doppelalbum auf dem Label Sire Records, welches mittlerweile zur Warner Music Group gehört. Auf dem Album sind 28 Songs mit einer Gesamtlaufzeit von 54:36 Minuten. (Bandfoto oben: Roberta Bayley; Bandfoto unten: Courtesy of Rhino Home Video)

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