„Wer hat’s erfunden?“ „Wirklich die Schweizer?“ Nun gut, was für ein Kräuterbonbon gilt, das trifft auf musikalische Genres wie Grunge, Indierock, Punk, Psychedelic Rock & Co. nicht zu. Zutreffend ist jedoch, dass es Schweizer sind, die es verstehen, sich jener Genres anzunehmen und ziemlich geschickt mit diesen zu arbeiten. So wie die Zürcher Annie Taylor dies auf ihrem neuen und dritten Album „Out of Scale“ tun.
Zwischen dem Opener „Alligator“ als schwer gitarrenlastiger und riffbetonter Grungekracher und „Places“ als finaler Song in freundlicher Indiepoprockmanier liegt reichlich gutes Songmaterial. „Lucidity“ zum Beispiel legt seine Rock’n’Roll- und Punkwurzeln ganz deutlich offen. Weniger schwungvoll, allerdings nicht weniger gelungen ist „Fire“ – ist das jetzt etwas Alternativrock, was wir hören? Gemächlich, aber gut ist’s allemal.
Zwischen Psychedelia und Alarm

Die flirrenden Gitarren zum Einstieg geben „That City“ einen psychedelischen Anstrich. Zwischendurch geriert sich der Titel als Hardrocker, um zum Ende hin wieder auf den Pfad des Psychedelic Rock einzuschwenken. „The Cure“ macht direkt danach aber mal so richtig Alarm; die fetten Gitarren und Drums schaffen ordentlich Drive. Ebenso viel Kraft entfachen die genannten Instrumente im folgenden „Overload“, allerdings mit gemäßigtem Temp: Grunge meets Alternative!
Sehr entspannt klingt im Anschluss daran „The Ocean“, auch dieser Song kann einen psychedelischen Touch nicht verhehlen. Irgendwo zwischen derberem Indierock und Grunge ordnen sich „Silence“ und „What do you have to sell“ ein. Die Stimme von Gingi Jungi nimmt den beiden Titeln jedoch allzu große Schärfe. Mit „Out of Scale“ gelingt Annie Taylor eine feine Tour durch verschiedene Genres der Rockmusik, irgendwo zwischen entspannt und hibbelig, zwischen rauh und sanft. Gut gemacht! (Foto: Danny Kötter)
„Out of Scale“ von Annie Taylor hat mit elf Songs eine laufzeit von 41:24 Minuten. Das Album ist erschienen auf dem Label Clouds Hill und im Vertrieb von Broken Silence.
Anspieltipps: Lucidity, That City, The Cure, Silence