“The Thread” von Lysistrata: wenn Franzosen zeigen, wie Post-Rock geht

Die französische Musikszene kann deutlich mehr als Chanson sowie Daft Punk oder David Guetta, das haben eine Menge Bands wie Mano Negra, Shaka Ponk, No One Is Innocent oder Lazuli zuhauf bewiesen. Da kommt echt verdammt guter Ska, Punk, Crossover, Alternative, Progressive Rock aus Deutschlands westlichem Nachbarland.

Dass darüber hinaus auch die Genres Post-Rock, Post-Hardcore und Noise in Frankreich qualitativ hochwertig vertreten sind, das zeigen Lysistrata. Das sehr junge Trio – die drei sind um die 20 Jahre alt – aus dem Städtchen Saintes etwa 60 Kilometer nördlich von Bordeaux ereifert sich musikalisch nicht wie ein Newcomer, sondern haut auf dem Debütalbum „The Thread“ Musik raus, die sich ganz schön fett nach alten Hasen des Metiers anhört.

Sänger und Gitarrist Théo Guéneau, Bassist Max Roy und Schlagzeuger Ben Amos Cooper – auf Facebook verpassen sie sich die Namen Jean Lassalle, Marc Dutroux und Philippe Risotto (wer will, kann ja mal eine Suchmaschine zu Hilfe nehmen) – machen die Trickkiste des rüden Rocks ganz schön weit auf. Da wechselt das Trio auf dem Titelsong „The Thread“ schnell mal zwischen Punk, Hardcore, Alternative, zaubert einen Hauch Atonalität aus dem Hut, „Asylum“ stößt in ein ziemlich ähnliches Horn, bring noch etwas Ska und Screamo mit rein.

Länge ganz ohne Langatmigkeit

Tja, und dann ist auch schon fast vorbei mit den kurzen, knappen Krachern – wenn man von den 1:28 Minuten des Zwischenspieles „Dawn“ absieht. Dann nämlich fahren die Drei mit dem ziemlich abwechslungsreichen „Answer Machine“ mit Britrockelementen und „Sugar & Anxiety“ als Tempo- und Stilwechsler zwei Achtminutenwerke aus. Und bringen es fertig, musikalische Länge komplett ohne Langatmigkeit zu fabrizieren. „Reconciliation“ – mit 6:46 auch ziemlich lang – macht es noisig, proggig und verarbeitet Marschelemente.

„The Boy Who Stood Above The Earth“ startet als musikalisches Hörspiel, schnappt sich den Noiserock, bremst auf Britpoptempo ab, schwenkt um auf spoken Word und entert dann lautstark das Post-Rock-Schiff. Deutlich über 11 Minuten, die von Lysistrata bestens gefüllt sind. Warum das starke Album nach seiner Erstveröffentlichung in Frankreich im Oktober noch fast ein Jahr warten muss, bis es in Deutschland offiziell erscheint, bleibt ein Geheimnis. Auf Bandcamp kann man sich die Platte zum Glück anhören. (Foto: Rod Maurice)

Anspieltipps: Asylum, Sugar & Anxiety

„The Thread“ von Lysistrata hat sieben Songs und eine Laufzeit von 42:48 Minuten. Erschienen ist das Album auf dem französischen Label Vicious Circle.

Lysistrata live im Frühjahr 2018 in Deutschland

18.04. – Berlin, Monarch
20.04. – Oberhausen, Druckluft
21.04. – Hamburg, Molotow (Eintritt frei)

lysistrata.bandcamp.com

www.facebook.com/lysistratatheband


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