Bad Religion feuern zum 30. Songs mitten in die Sauna

badreligion100726_4289_165x250Ein Ständchen gehört ja üblicherweise dazu, wenn man einen runden Geburtstag feiert. Und da machen die vermeintlich ach so harten Hardcore- und Punkfans keine Ausnahme, wenn es sich um das 30-jährige Bandjubiläum der Punk-Ikonen Bad Religion handelt. So stimmten denn die Fans am 26. Juli 2010 in der brechend vollen Kölner Live Music Hall ein „Happy Birthday“ an, welches Sänger Greg Graffin ironisch mit einem „dear grandpa“ beendete. Schließlich war sich der Frontmann durchaus bewusst, dass die Musiker auf der Bühne, die so langsam auf die 50 zugehen, meist um viele Jahre älter waren, als die weit über 1.500 Fans im Publikum. Denn Bad Religion wird älter, die Mehrzahl der Fans, die die zeitlosen Songs der Kalifornier hören, ändert sich altersmäßig kaum.

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Viel Brimborium machten Graffin, die Gitarristen Brian Baker und Greg Hetson, Bassist Jay Bentley und Drummer Brook Wackermann nicht auf der Bühne: Es gab keine Bühnenstaffage, keine choreographierten Showelemente – wozu auch viel Bohei um etwa zweiminütige Lieder, die einfach voll auf die Zwölf gehen und nach vorne preschen. Bad Religion spielten in knapp anderthalb Stunden 27 Songs runter, reichlich zu bejubeln also für das Publikum, das sich im Moshpit vor der Bühne von Beginn an in wildem Pogen ereiferte und kreuz und quer durcheinandestürzte.  Es dauerte auch nicht allzu lange, bis sich die Halle der ehemaligen Schlosserei in eine Art Sauna verwandelt hatte und Zuschauer reihenweise ausgelaugt und dehydriert die Halle verlassen mussten. Warum das seit Wochen ausverkaufte Konzert nicht ins größere E-Werk oder gar ins Palladium verlegt wurde, bleibt ein Rätsel. Vor allem, da die rheinischen Bad-Religion-Fans danach gierten, ihre Musikheroen nach fünfjähriger Abwesenheit mal wieder live in Köln zu sehen.

Ein Dozent inmitten Hardcorelärms und Saunahitze

badreligion100726_0024_250x165Während vor der Bühne mächtig die Post abging, ließ Graffin es vergleichsweise ruhig angehen: Zum einen fühlte er sich offenbar seines Alters wegen dem Bild des aggressiv agierenden, pöbelnden und ausrastenden Sängers einer Punkkombo nicht verpflichtet, zum anderen liegt die Aggressivität ja nun auch eher in den Texten Bad Religions, die zum größten Teil aus Graffins Feder stammen. Nicht Bier, Fußball und Rumhängen – Themen vieler anderer Punkbands – ist es, über was Bad Religion singen, sondern brisante politische Entwicklungen oder soziale Missstände prangert der Akademiker, Doktor und Unidozent am Mikrofon an. Und zwischendurch wirkte es tatsächlich so, als würde Graffin eine von Hardcoremusik begleitete Vorlesung halten – seine Texte gestenreich unterstreichend schritt er auf der Bühne hin und her.

badreligion100726_0013_250x165Songs quer durch die vergangenen drei Dekaden schleuderte das Quintett, das momentag ohne Gitarrist Nummer drei und Songschreiber Brett „Mr. Brett“ Gurewitz tourt, gut abgemischt und weniger laut als erwartet mitten hinein ins Publikum. Songs wie „Suffer“, „I Want To Conquer The World“ oder „How Much Is Enough?“ hörten sich dabei kaum anders an, als wohl am am 6. Juli 1990, als Bad Religion auf ihrer  Tour durch Deutschland im kleinen „Rose Club“ auf der Luxemburger Straße zum zweiten Male in Köln auftraten. Auf Graffins Frage ins Rund „does anybody remember the Rose Club?“ antworteten allerdings die Wenigsten mit einem „Ja“. Denn damals waren die meisten der Anwesenden im Kindergarten oder der Grundschule und weitab der wilden Welt des Punk. Und stellen jetzt erst fest, dass politisch motivierte Textzeilen wie „Hey Brother Christian with your high and mighty errand; Your actions speak so loud, I can’t hear a word you’re saying.“ (Suffer) vor 20 Jahren, jetzt und in 20 Jahren immer brandaktuell waren, sind und sein werden. Das wird mit den Titeln des neuen Albums, welches am 28. September erscheint, kaum anders sein. (Fotos: Helmut Löwe)

Setlist:

– Do What You Want
– Overture/Sinister Rouge
– We’re Only Gonna Die
– Recipe For Hate
– Flat Earth Society
– Before You Die
– A Walk
– How Much Is Enough?
– No Control
– Requiem For Dissent
– Sanity
– Atomic Garden
– New Dark Ages
– Man With A Mission
– Suffer
– Germs Of Perfection
– No Direction
– Los Angeles Is Burning
– I Want To Conquer The World
– Along The Way
– Fuck Armageddon… This Is Hell
– Generator
– Infected
– American Jesus
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– 21st Century (Digital Boy)
– Sorrow
– Punk Rock Song

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